Von Osama zu Obama

Kommentar

Vom Osama zu Obama

Hermann Ploppa

Mehr Bomben für Afghanistan
Mehr Bomben für Afghanistan

Es ist das gleiche Schema fast überall auf der Welt: wenn gefoltert wird, kommen zuerst brutale Schergen daher, die dem unglücklichen „Delinquenten“ die Zähne ausschlagen und dessen Weichteile traktieren. Nach einer „Besinnungspause“ kommt dann ein anderer Beamter, der dem Folteropfer freundlich eine Zigarrette anbietet, höflich mit ihm spricht, Linderung der Qualen in Aussicht stellt: „Ich will Ihnen ja nur helfen, dass Sie hier rauskommen!“ Dankbar, überhaupt wieder als menschliches Subjekt engesprochen zu werden, ist der Gefolterte nun möglicherweise bereit, auf die Forderungen seiner Peiniger einzugehen.

Da war zuerst das Phantasma des allgegenwärtigen Osama bin Laden. Zwar weiß bis heute niemand, ob der Mann im Jahre 2001 überhaupt noch existiert hat, und ob er heute noch unter den Lebenden weilt. Aber unter diesem Gesicht, verbunden mit der phantastischen Erzählung von einer sagenhaften Weltverschwörung von Al Quaida, wurde in den folgenden Jahren der Mittlere Osten zusammengeschlagen, dass es so seine Art hat. Ohnmächtig die Fäuste ballend, mußten die Bürger in den zivilisierten Ländern diesem Verbrechen an der Menschheit und Menschlichkeit zusehen.

Heute, im Sommer 2008, sind etwa 1 Million unschuldige Zivilisten in einem Todesgürtel von Irak bis Afghanistan durch diese kriegerischen Handlungen umgekommen.

Die „Warmonger“, die Kriegstreiber in den USA haben ein Imageproblem: George Bush der Jüngere ist als Verkäufer des Krieges verbraucht und in der Öffentlichkeit – egal ob in den USA oder im „Rest“ der Welt – absolut unten durch. Und der alte Kriegshaken und Vietnam-Haudegen John McCain ist vielleicht doch nicht so zugkräftig, dass er die Wahlen im November für sich entscheiden kann.

Und da kommt ER: Barack Obama. Ein Strahlemann mit dem Image, einer ethnischen Minderheit anzugehören, der man in den USA bis 1965 weder Menschen- noch Bürgerrechte zuerkennen wollte. Beladen wird Obama mit dem Mythos, kraft persönlicher Ausstrahlung als charismatischer Führer alles besser zu machen als seine Vorgänger. Dabei wird gar nicht mehr gefragt, was denn dieser Obama eigentlich anders machen will als sein Vorgänger. Jeder träumt sich seinen eigenen Obama zurecht. Ein Supermann, der die Bösen in die Schranken weisen wird.

Nun, es gibt in den USA mächtige Kreise, die zur Mäßigung und zu sensiblerem Umgang miteinander aufrufen. Beispiel Außenpolitik: der einst so allmächtige Council on Foreign Relations hat in unzähligen Denkschriften dazu aufgerufen, den Iran nicht abzustoßen, sondern als Partner in ein mittelasiatisches Sicherheitsnetz einzubinden. Ist also Obama vielleicht ein Mann des CFR und seiner Freunde? Heißt: „Yes, we can!”, jawohl, wir entschärfen die Spannungen, und kehren zur erfolgreichen indirekten Herrschaft des Kapitalismus zurück?

Denkste Pustekuchen. Obama tritt vor der aggressiven Israel-Lobbyvereinigung AIPAC auf und verspricht kriegerisches Handeln gegen den Iran. Obama ist nur deswegen für einen geordneten Rückzug aus dem Irak, damit die freiwerdenden Truppen, zusammen mit neu hinzugepreßten Truppen aus Europa, umso aggressiver in Afghanistan auftreten können. Ja, sogar vor einem Krieg gegen/in Pakistan will Obama nicht zurückscheuen, wie er in der New York Times vom 14.7.08 verkündete.

Ja, wir können es ändern. Nämlich den Krieg in Afghanistan radikalisieren. Noch mehr Militär in dem nun schon seit 30 Jahren kriegsgeplagten Afghanistan, heißt noch mehr Widerstand. Die ewige Eskalationsschraube – und sie dreht sich doch: „Die Gegenwart und die Aggression von Ausländern haben nichts anderes bewirkt als den Widerstand zu einen, der jetzt Warlords mit einschließt, die früher auf der Lohnliste der CIA standen“ So urteilt John Pilger, der über Obama sagt: „Barack Obama ist der amerikanische Blair. Dass er geschmeidig vorgeht und ein Schwarzer ist, spielt keine Rolle. Er ist ein Teil des andauernden, ungezügelten Systems, dessen Vortrommler und Jubeltruppen, dier niemals sehen – oder: nicht sehen wollen – die Folgen von 500 Megatonnenbomben, die unbeirrbar auf Matsch, Stein und Strohhäuser fallen.“

Und der US-amerikanische Publizist Mike Whitney befindet über Obamas Auftritt in Israel: „Obama folgt dem eingeschlagenen Pfad zu Hundert Prozent, und das heißt: unerschütterliche Unterstützung für das israelische und zionistische Projekt. Sein Ausflug nach Israel beweist, dass er ein raffinierter Politiker ist, also von Kopf bis Fuß frei von Charakter. Ist das die ‚Hoffnung, an die wir glauben können’?“

Der kanadische Journalist Eric Margolis sagt in der Toronto Sun: „Es ist Besorgnis erregend zu beobachten, wie sich Obama dem Blitz der Kriegspropaganda betreffs Afghanistan unterwirft, und die irreführende Wortwahl von George Bush über Terrorismus übernimmt.“

Auch der deutsche rechtskonservative Transatlantiker Michael Stürmer diagnoszierte am 24.7.08 in einem Deutschlandfunk-Interview als „unabhängiger Experte“ in dankenswerter Offenheit, dass die Kriegsanspannungen unter einem Präsidenten Obama eher zunehmen werden. „Die Europäer“ werden wohl unter Obama noch mehr Soldaten nach Afghanistan entsenden müssen, und der deutsche Steuerzahler noch tiefer in die Tasche greifen, um einen Krieg zu bezahlen, der die deutsche Sicherheit massiv gefährden wird. In zweierlei Hinsicht gefährden: erstens wird es unweigerlich irgendwann zu terroristischen Racheaktionen auf deutschem Territorium kommen. Zweitens werden China und Russland auch nicht ewig tatenlos zusehen, wie auf ihre Kosten eine Frontbegradigung vom Horn von Afrika bis zum Hindukusch gegen sie selber vorgenommen wird.

Dass die Menschen an der Siegessäule dem afroamerikanischen Charismatiker zujubeln, ist menschlich verständlich. Es ist sogar davon auszugehen, dass viele Menschen, die dort anwesend waren, von den Abgründen des Obama schon gehört haben. Die Propagandashow war ja als „private Veranstaltung“ deklariert worden. Auf diese Weise konnten grundlegende Elemente der Demonstrationsfreiheit ausgeschaltet werden. Erlaubt waren auf dem Gelände der Obama-Show nur Jubelplakate. Den Besuchern blieb also nichts anderes übrig, als ihre Meinung durch Beifallklatschen oder Manifestationen der Ablehnung kundzutun. Laut Zeitungsberichten haben die Leute geklatscht, wenn Obama ein Kehrtwende in der Umweltpolitik einforderte. Sie blieben kühl, als Obama die Bush-Phrasen vom „Kampf gegen den Terror“ sich zu eigen machte.

Man sollte also die 200.000 Kundgebungsteilnehmer nicht als Obama-Fans vereinnahmen. Nach wie vor sind zwei Drittel der deutschen Bevölkerung gegen den „War on Terror“. Daran wird auch Obamas Einseifungsoper nichts ändern können.

Wir sollten die Zeit nutzen, um eine klare eigenständige europäische Position herauszuarbeiten. Und das heißt: Zivilpolitik statt Eskalation des Militarismus.

Lesenswerte Artikel zum Thema:

John Pilger: “Obama, The Prince Of Bait-And-Switch”

http://www.informationclearinghouse.info/article20347.htm

Mike Whitney: Obama’s trip to Yad Vashem:

What about Wounded Knee?

http://www.informationclearinghouse.info/article20352.htm

Obama falls victim to propaganda

Before widening war in Afghanistan, there is much to consider

By ERIC MARGOLIS

http://www.torontosun.com/News/Columnists/Margolis_Eric/2008/07/20/pf-6209056.html

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5 Gedanken zu “Von Osama zu Obama

  1. Ob Obama, Clinton oder sonst wer ins weiß/beige Haus einzieht. Es bleibt wie es ist. Man muss sich nur mal die die Familiendynastie der einzelnen Präsidenten anschauen.
    Der einigste der bei dem „Spiel“ nicht mitspielen wollte war JFK. Und er hat schließlich auch mit seinem Leben bezahlt. Der Grund war eine Äußerung über gewisse Personen hinter den Kulissen.

    Das die US-Regierung in den Augen der Völker dieser Erde keinerlei Ansehen mehr genießt ist nicht verwunderlich. Der „gute Ruf“ der US-Regierung befindet sich aus anderer Sicht genau auf Kurs. Diese Behauptung mag verwirrend sein, aber ich bin genau dieser Meinung.

    Die Bush-Administration soll in der Weltöffentlichkeit regelrecht „unten durch“ sein. Ich behaupte, dass dies so gewollt ist. Die USA ist regelrecht vor den Karren der Finanzoligarchie gespannt um die letzten Länder aus dem Weg zu räumen, die einer Weltregierung noch im Wege stehen könnten. Zwar hat Papa Bush genau zehn Jahre vor dem 11.09.2001 (auf den Tag genau) die Idee einer neuen Weltregierung verkündet, was aber nicht heißen soll, dass die USA diese anstreben. Dahinter steckt jemand ganz anderes, wenn ich mir die Sache etwas mehr aus der Ferne betrachte. Leider ist es nicht wirklich gesund diese Herren beim Namen zu nennen. Aber gehen wir mal davon aus, dass sie USA eigentlich seit 1913 mehr oder weniger ferngesteuert und erpresst werden. Alles scheint mit dem Dollar zusammen zu hängen. Wenn man mal betrachtet wer die Herren rund um die FED sind und in welche Länder sich diese Kontakte verzweigen, dann fängt man an unruhig zu werden. Das Deutschland sich seit dem 11.9.01 ohne wenn und aber dem „american way of life“ verschrieben haben und unsere Kanzlerin Merkel dem „Staat“ Israel absolute Unterstützung eingeräumt hat mischen sich auch die Karten neu.

    Ich möchte mir erlauben, dass es in der letzten Zeit nur einen Staat auf Erden gibt der Völkermord und Unterdrückung ganz oben auf der Tagesordnung stehen hat. Und damit möchte ich nicht Partei ergreifen, schon gar nicht der deutschen Kriegsschuld wegen, die auch schon über sechzig Jahre zurückliegt. Aber auf diese Weise der Betrachtung bekommt die ganze Angelegenheit einen ganz anderen Beigeschmack.

    Mit freundlichen Grüßen

    Andreas

  2. Es ist sowieso klar, dass es egal ist wer vorne steht und die Parolen vorsingt. Die Zügel haben ganz andere Leute in der Hand.

    Am meisten fasziniert mich die Massenpsychologie an dem ganzen Spekatakel.
    Ich stelle mir oft die Frage ob der Großteil der Menschen instinktgesteuert reagieren.
    Alleine über einige offene Dinge nachzudenken und auszusprechen gilt heute schon als verwerflich. Aber ich schweife ab.

    Ich bin auch der Meinung, daß man mit Obama einen Symphatieträger aufs Spielfeld geschickt hat.
    War eigentlich schon jemals ein Senator auf Wahlkampf im Ausland? Und ist dieses Verhalten nicht ein Zeichen, daß wir von den USA schon gedanklich vereinnahmt wurden? Nichts genaues weiß man nicht.
    Alles was ich weiß, ist dass man den Menschen die Augen öffnen muß.

    Apropos, ich habe einen Bericht von Andreas8Gedankenverbrecher) auf eine Social Network Site gestellt und wurde auch gleich als Nationalsozialist bezeichnet. 🙂
    Und der Bericht wurde gelöscht… ich habe den moderator darauf angesprochen und es stellte sich heraus, dass er auch unter Druck gesetzt wurde. Interesannt, oderß

    Na ja, mir ist es egal, ich stehe zu meinen Aussagen. Mich können alle am Arsch lecken.
    Leider glaube ich auch, dass wir einer schweren Zeit entgegensteuern und sich Untergrundgedanken breitmachen sollten.

    Aber genung davon

    Respekt an euch und schönen Tag

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