CIA fälschte irakische Dokumente?

Der frühere Wall Street Journal-Journalist und Pulitzer-Preisträger Ron Suskind hat in seinem neuesten Buch „The Way of the World„, das am Mittwoch in den USA herausgekommen ist, schwere Vorürfe gegen den amerikanischen Geheimdienst CIA erhoben.

Im Vorfeld des Angriffskrieges der USA gegen Irak im Jahre 2003 unterhielt der englische Auslandsgeheimdienst MI6 Kontakte zu Saddam Husseins Geheimdienstchef Tahir Jalil Habbush. Dieser versicherte der MI6, der Irak besäße keinerlei Massenvernichtungswaffen. Daraufhin, so berichtet die Londoner Times online am 6.8.08, sei der ehemalige britische Geheimdienstchef Sir Richard Dearlove im Februar 2003 nach Washington geflogen, um dem damaligen CIA-Direktor George Tenet den Habbush-Bericht zu überbringen. Tenet habe den Bericht Präsident Bush und der Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zur Kenntnisnahme überreicht. Aus dem Habbush-Bericht ging hervor, was später durch Untersuchungen bestätigt wurde: Saddam Hussein hatte das Chemiewaffenprogramm 1991 und das Biowaffenprogramm 1996 einstellen lassen.

Nach der Irak-Invasion geriet Habbush in die Gefangenschaft des CIA. Offiziell ließ die USA Habbush weiterhin steckbrieflich mit einem Finderlohn von einer Million Dollar suchen. Wie Autor Suskind in der Huffington Post vom 7.8.08 noch einmal bekräftigt, habe Habbush vom CIA ein Schweigegeld in Höhe von 5 Millionen Dollar erhalten, damit er über keine Informationskanäle bekanntgibt, dass Irak über keine Massenvernichtungswaffen mehr verfügt habe.

Doch der CIA kaufte nicht nur Stillschweigen. Nun wurden auch Dokumente gefälscht, um eine Beziehung zwischen Saddam Hussein und den Attentaten vom 11. September 2001 sowie zum – erfundenen – irakischen Atomwaffenprogramm herzustellen. In einem angeblichen Brief an Saddam Hussein mit dem offiziellen Briefkopf der irakischen Regierung schrieb Habbush mit Kugelschreiber: Muhammad Atta, der vermutliche Drahtzieher der 9/11-Attentate, habe im Sommer 2001 erfolgreich den geplanten Anschlag im Irak trainiert. Zudem habe gerade Al Quaida dem Irak bei der Beschaffung von Uran aus dem Niger geholfen. Das von CIA und Habbush gefälschte Dokument wurde sodann als „Beweis“ für die Richtigkeit der Bush-Anschuldigungen in der Presse weltweit lanciert.

Wie jeder weiß, wurden die Niger-Lügen sehr schnell entlarvt, was eine ganze Kettenreaktion von Skandalen losgetreten hat. Der damalige CIA-Mitarbeiter Rob Richer wird von Suskind folgendermaßen zitiert: „Bush wollte den Krieg im Irak vom ersten Tag seiner Amtszeit.“

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