Internationale jüdische Erklärung gegen Attacke auf Iran

Gerne möchte die kriegerische Lobbyorganisation AIPAC, die in den USA die Interessen der „Falken“ in der israelischen Politik und im Militär nachhaltig unterstützt, den Eindruck, erwecken, sie spräche für alle Juden in den USA und letztlich alle Juden auf dieser Welt. Das ist gottlob nicht der Fall. Es gibt weltweit viele jüdische Persönlichkeiten und Organisationen, die die kriegerische Politik der israelischen Militaristen scharf kritisieren. Sie sind allerdings nicht mit solchen extremen Geldsummen ausgestattet wie die AIPAC, und sie sind auch bei weitem nicht so gut vernetzt wie die Rüstungslobly AIPAC.

Im Folgenden dokumentieren wir die Erklärung einer Gruppe von jüdischen Einzelpersonen und Organisationen zur Kriegshetze gegen den Iran, veröffentlicht am 12.8.08:

Bemühungen, die Kriegspropaganda anzuheizen für einen Angriff gegen die Atomanlagen im Iran werden sowohl in amerikanischen wie israelischen Kreisen vorangetrieben. Ein Kommentar in der New York Times vom 18.7.08, geschrieben von dem israelischen Geschichtswissenschaftler Benny Morris, dient genau dem Zweck, diese politischen Kräfte zu unterstützen. Wir als jüdische Opposition bringen an dieser Stelle unsere Empörung über die entsetzlichen Vorschläge zum Ausdruck.

Diese Stimmungsmache für einen Krieg mit dem Iran findet nicht nur den Widerspruch in breiten Kreisen der Bevölkerung; sondern er arbeitet auch der stillen Diplomatie entgegen, die den Iran in fortlaufende Verhandlungen mit der Atomenergiebehörde der Vereinten Nationen einbindet, und auch gegen Handelsvereinbarungen in den USA selber. Israel ist zudem in einen Waffenstillstand eingetreten, der nun seit einem Monat anhält – sehr zur Erleichterung der Völker in Israel und Gaza. Im Angesicht der sich entwickelnden politischen Atmosphäre von Vernunft und Verhandlungen hat die militaristische Mentalität ihre Anstrengungen erheblich verstärkt, die Voraussetzungen für einen weiteren Krieg zu schaffen. Morris bemüht sich, solche Stimmung zu erzeugen, indem er sagt:

„Sie (die Iraner) werden höchstwahrscheinlich jede Bombe auch einsetzen, die sie bauen – sowohl aus ideologischen Gründen als auch aus Angst vor einem israelischen Erstschlag. Deswegen ist ein atomarer Erstschlag wahrscheinlich, um die Iraner davon abzuhalten, die letzen Maßnahmen für den Besitz der Bombe zu vollenden. Die Alternative ist, Teheran seine Bombe zu gewähren. In beiden Fällen ist ein nuklearer Holocaust im Bereich des Möglichen.“

Diese Betonung der Unausweichlichkeit spielt mit der jüdischen und israelischen Erinnerung an den Holocaust der Nazis, um jede nur erdenkliche Quelle der Unterstützung für einen israelischen Milirtärschlag gegen Iran zu mobilisieren. Was eine Reaktion herausfordern würde und zu einem ausgedehnteren Krieg führt, in den die USA hineingezogen wird. Das ist deswegen besonders ungeheuerlich, weil 16 Geheimdienste der USA zu dem Schluss gelangt sind, dass der Iran aktuell über kein Atomwaffenprogramm verfügt, und dies auch in den letzten fünf Jahren nicht der Fall war.

Wir würdigen den Heldenmut von Mordechai Vanunu, der das Atomprogramm Israels öffentlich gemacht hat, und stimmen ein in seine Verurteilung von Israels heimlichem Besitz atomarer Sprengköpfe und unterstützen die Forderung nach einem atomwaffenfreien Mittleren Osten.

Die Mentalität, die nach einem Krieg der gegenseitigen Auslöschung als Lösung der Sicherheitsprobleme ruft, ist erstaunlich widersprüchlich. Nur das Heraufbeschwören einer Bedrohung auf Nazi-Niveau erhofft einem solchen Kriegsruf die nötige Glaubwürdigkeit zu verschaffen, ganz ähnlich wie die Kalkulation auf die Wahrnehmung, die Palästinenser hätten einen Plan, die Juden ins Meer zu jagen. Der Bezug auf eine iranische Ideologie (nämlich dem Islam) hält keiner genaueren Betrachtung stand, denn die politische Herausforderung für Israel durch den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad besteht nicht in einem Aufruf zur Vernichtung (der Juden), auch wenn einige Falschübersetzungen das nahelegen.

Wir streben Sicherheit für alle Betroffenen an, indem wir allen das Recht auf Sicherheit zugestehen. Während wir der Aussicht auf einen unausweichlichen Konflikt keine Glaubwürdigeit zugestehen, widersprechen wir nichstdestoweniger der Hysterie, die von Anti-Iran-Hetzern erzeugt wird, die jetzt großen Eifer zeigen in ihren falschen Ansätzen, einen weiteren unnötigen Krieg vom Zaum zu brechen. Der Versuch, den Iran auf ein Eingehen auf die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zu verpflichten, verliert ihre gesetzliche, diplomatische und politische Durchsetzungskraft, wenn die USA und Israel fortwährend die Diplomatie der Vereinten Nationen ignorieren sowie wichtige UN-Vollversammlungsentschließungen, die die Palästinafrage betreffen. Wir rufen alle Gegner einer militärischen Konfrontation mit dem Iran dazu auf, ihren Regierungsvertretern zu schreiben mit der Forderung, dass Israel seine Nuklearanlagen der internationalen Inspektion unterstellt und den nuklearen Nichtweiterverbreitungsvertrag unterzeichnet, so wie es Iran bereits getan hat, anstatt Kreigsdrohungen auszustoßen.

Die Liste der Unterzeichner hier

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