Obamas erste Pressekonferenz: Eine reine PR-Show

Am letzten Freitag, dem 7.11.2008, erlebten wir den ersten Auftritt des President-Elect, des frisch gewählten, aber noch nicht ins Amt eingeführten Präsidenten, Barack Obama.

Es war seine erste Pressekonferenz als künftiger Erster Mann in Washington. Was erwartet man von einer Pressekonferenz? Normalerweise eigentlich, daß Journalisten an einem Ort zusammenkommen, und dann jene Person, die zum Pressetalk geladen hat, befragen. Das lebendige Element einer Pressekonferenz besteht darin, daß die einladende Person sich Fragen der Journalisten stellt, und so manche Frage den Befragten überraschen und kalt erwischen kann. So entsteht auch ein Stückchen Wahrheit, das Presseleute den befragten Selbstdarstellern abringen können.

Nun, Obamas Pressekonferenz war ganz anders gestrickt. Handverlesene Hofjournalisten bevölkerten den Saal. Der kommende Staatsmann Obama betrat die Bühne und eilte zum Podium. Ihm folgte sein Vizepräsident Joe Biden. An der Rückwand der Bühne standen, aufgereiht wie Konfirmanden, 17 hochrangige Berater aus dem sog. Transition-Team, also jenen Leuten, die Obama in der Übergangszeit bis zur Amtseinführung am 20. Januar 2009 mit Rat und Tat begleiten werden.

Nichts ist zu merken vom angeblichen Charisma des frischgebackenen Präsidenten. Mühsam, stockend, mit „ähhs“ und Versprechern, liest Obama den vorformulierten Text ab. Dabei hat er immer wieder ein paar Nanosekunden Zeit, sich den Text vom Teleprompter zu merken, um in einer zyklischen Bewegung zwischen dem Ablesen nach rechts ins Publikum zu schauen, und dann nach links ins Publikum. Schön in Schaukelbewegung. Obama schaut nicht staatsmännisch-ernst, sondern ausgesprochen verbissen.

Der President-Elect spricht in seiner Vorrede alle wichtigen Themen an. Das Chaos an der Börse. Den Kollaps der Autoindustrie, Dafür hat er auch extra Jennifer Granholm mitgebracht, die Gouverneurin des Bundesstaates Michigan, wo die ganzen sterbenden Automarken wie Ford, General Motors und Chrysler ihre Fabriken haben. Ja, auch die Familien, die ein Häusle gebaut haben, und jetzt von der Zwangsversteigerung bedroht sind, werden erwähnt. Und zu Recht betont Obama, daß die kommenden Monate und Jahre schwer werden, und daß Lösungen nicht von heute auf morgen zu erwarten sind. Immer wieder verweist er auf sein Trasition Team, das volle Kraft voraus mit der noch amtierenden Bush-Regierung zusammenarbeitet, um schon jetzt das eine oder andere Bröckchen Obamismus einfließen lassen zu können.

Und dann Ring frei für die Fragen der akkreditierten Hofreporter. Alles zusammen, mitsamt Obamas abgelesener Vorrede, darf nicht länger als zwanzig Minuten dauern. Und der kümmerliche Rest nach Obamas Vorrede läuft so ab: auf seinem Teleprompter stehen Namen und Fragen der Reporter. Obama ruft, streng wie ein Lehrer, den Vornamen des antwortheischenden Reporters auf. Der angesprochene Reporter steht auf, liest seine Frage artig ab, und Obama antwortet auf eine Frage, deren Inhalt er schon lange kennt. Es kommen – wie sollte es anders sein bei Hofreportern – saublöde Fragen, wie z.B., wann und wie sich Obama mit Bush treffen wird, und wie man mit einander klar kommen wird. Oder: ob Obama sich mit allen noch lebenden Amtsvorgängern treffen wird, und dessen Rat beherzigen wird. Na klar wird er das. Er hat schon mit allen noch lebenden Ex-Präsidenten gesprochen. Und die Schriften von Lincoln habe er gelesen. Nur werde er keine spiritistische Sitzung abhalten, wie Nancy Reagan mit ihrem Ex-Gatten. Keiner lacht. Hat auch wahrscheinlich keiner begriffen. Später, so erfährt man anstelle von Sachinformationen, hat Obama gleich bei Nancy angerufen und sich für den faden Scherz entschuldigt.

Naja, und ein Konjunkturprogramm will er auflegen. Wie und in welcher Höhe, das könne er noch nicht sagen. Schließlich ist er noch nicht Präsident. Das verstehen wir alle.

Dann kommt doch noch mal ein bißchen Fleisch in die fade Schwafelsuppe, als ein Reporter fragt: „Werden Sie Ahmadinejads Gratulation beantworten?“ Obama: er habe das Schreiben zur Kenntnis genommen, aber: „Irans Entwicklung von Atomwaffen ist, meine ich, nicht zu akzeptieren. Und wir haben eine Menge an internationalen Anstrengungen, um das zu verhindern. Irans Unterstützung terroristischer Organisationen, denke ich, muß aufhören.“ Zumindest hier herrscht Klarheit. Obama betet die Lügengeschichten nach, die er schon im Juli bei der Israel-Lobby AIPAC heruntergebetet hat. Wir haben das an anderer Stelle bereits ausführlich erörtert.

Schließlich noch die Frage einer Washingtoner Journalisten-Ulknudel: ob Obama und seine Family bereits über den Erwerb eines weiteren Hundes anchgedacht haben? Obama versucht witzig zu sein. Er hatte ja auch schon einige Stunden Zeit, über diese vorher eingereichte Frage nachzudenken. Ja, das sei natürlich eine Frage von großer Relevanz. Das Tier dürfe die Allergie seines Töchterchens nicht anreizen. Andererseits könne der Hund ruhig eine Promenadenmischung sein wie er selber. Verhaltenes, höfliches Lachen im handverlesenen Publikum. Denn von Herzen und spontan kommt bei diesem Karriere-Stockfisch eigentlich gar nichts. Obama gilt ja auch als „cool“. Sicher spielt seine Sozialisation als Afroamerikaner bei der Spontaneitätshemmung eine nicht unerhebliche Rolle. Trotzdem: kalt wie Hundeschnauze. Kein Mensch wie Franklin Delano Roosevelt, der den Bürgern neben einem hohen Maß an Kompetenz auch mental aufhelfen könnte.

Und damit ist diese „Pressekonferenz“ bereits zu Ende. Eine inszenierte Werbeveranstaltung, keine öffentliche Überprüfung von Machtinhabern. Inszeniert und im voraus orchestriert, nicht anders als in der immer wieder gescholtenen Volksrepublik China, im Iran oder in Rußland. Ein billiges Transportmittel, um ein Versprechen ins Land zu tragen: „Obama will Konjunktur anheizen“. Dabei weiß vermutlich selbst Obama noch nicht, wo das Geld nach acht Jahren Staatszerrüttung und noch zu erwartender Abschiedsgeschenke von Bush an seine Weggefährten herkommen soll.

Wie sagte John Tuck, ein ehemaliger Berater von Präsident Reagan: „Dem armen Mann sind die Hände gebunden durch die wirtschaftliche und finanzielle Misere, die wir jetzt haben. Ich weiß nicht nicht, welche Möglichkeiten er haben sollte. Die sind sehr, sehr begrenzt.“

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