Zweite Auflage von „Macher hinter den Kulissen“ erschienen

Im November 2014 erschien das Buch „Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantsiche Naetzwerke heimlich die Demokratie unterwandern“ von Hermann Ploppa. Jetzt geht das Buch bereits n die zweite Auflage.

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Umfragen zeigen immer wieder: die Deutschen wollen eine sozial ausgewogene Politik, am besten einen Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Und: die meisten Deutschen wünschen sich eine unabhängige Außenpolitik, unabhängig von den Großmächten in West und Ost. Dennoch gerät unsere Sozialpolitik in immer bedenklichere Schieflage, und wir werden in immer gefährlichere militärische Abenteuer der USA hineingezogen. Und jetzt sollen wir auch noch mit den hochverschuldeten USA in der Wirtschaftsgemeinschaft TTIP zusammengeschweißt werden.
Hermann Ploppa zeigt die diskreten, feinmaschigen Netzwerke, oder auch Seilschaften, die in aller Stille Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft durchdrungen haben. Namen wie Bilderberger oder Atlantikbrücke sind im Gespräch. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Neoliberale Schockstrategen und USA-Lobbygruppen arbeiten seit Jahrzehnten in einem Generationen übergreifenden Projekt an der Enteignung und Entmündigung der Bürger. Ihr Ziel ist die Zerschlagung des demokratisch legitimierten Nationalstaates.
Doch so weit ist es noch nicht. Das Buch zeigt Alternativen auf. Das Rad muss nicht neu erfunden werden, um doch noch eine soziale und menschenwürdige Gesellschaft zu ermöglichen.

http://www.nomen-verlag.de/admin/bilder_nomen/48_Ploppa_Beschreibung_Inhaltsverzeichnis%20und%20Einleitung_fuer_Web.pdf

In einem halbstündigen Interview erläutert der Autor Grundgedanken seines Buches:

Das Buch kann aber auch bei mir persönlich bestellt werden
h.ploppa@gmx.de

Zu Hermann Ploppa:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Ploppa

Hermann Ploppa zu TTIP:

Der Fehlende Part, TTIP – Das Freihandelsabkommen der US- und EU-Eliten. RT, Liveübertragung am 11.3.2015

Daraus Extrakt: TTIP – Das Freihandelsabkommen bereichert nur Eliten und Konzerne.

Jens Wernicke: „Demokratie im Visier“. Interview mit Hermann Ploppa, 5.3.2015
http://www.nachdenkseiten.de/?p=25285
Wolfgang Bittner: „Transatlantische Netzwerke“ in: Ossietzky, Heft 5/2015
http://www.sopos.org/aufsaetze/54f4242c1fd79/1.phtml
Prof. Dr. Frank Überall: „Macher hinter den Kulissen“ in: Socialnet,
http://www.socialnet.de/rezensionen/17446.php

Prof. Dr. Dieter Boris: „Informelle Zirkel“ in: junge Welt, 16.2.2015
https://www.jungewelt.de/2015/02-16/002.php

Interview mit Hermann Ploppa auf RT über die Atlantik-Brücke „Warum so geheim?“, 21.11.2014 https://www.youtube.com/watch?v=qHyA3o3rtqg

Interview mit Hermann Ploppa durch Daniel Hermsdorf: „Hermann Ploppa: „Transatlantische Netzwerke, Denkfabriken und Eliteclubs“, 23.11.2014.

Rezension im Freitag:
https://www.freitag.de/autoren/linkspazi/die-macher-hinter-den-kulissen

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Gute Zeiten für Kriegsspekulanten

„Wiederkehr der Hasardeure“ – ein Buch warnt vor dem Zerfall internationaler Konsultationsmechanismen und der daraus resultierenden erhöhten Kriegswahrscheinlichkeit

Von Hermann Ploppa

Hasardeure

Ein Hasardeur ist jemand, der rücksichtslos auf Risiko spielt, wobei ihm gleichgültig ist, ob bei seinem Roulettespiel auch Unbeteiligte zu Schaden kommen können. Für die einen ist der Hasardeur ein forscher Kerl, für die anderen ist er jedoch ein gemeingefährlicher Spinner.
Bezogen auf die große Politik kann man sagen, dass Hasardeure nach dem Zweiten Weltkrieg kaum Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung hatten. Die Nukleare Drohung der kollektiven Selbstvernichtung führte zu umfassenden Konsultationsinstrumenten, in denen sich gegnerische Machtblöcke, wie z.B. die USA und die Sowjetunion, über verschiedene Kanäle immer wieder austauschen, und so die Eskalation von Konflikten frühzeitig unterbrechen konnten.
Europa war im Kalten Krieg eine Schnittstelle zwischen Kapitalismus und Staatssozialismus, und als möglicher Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen besonders gefährdet. Seit den Siebziger Jahren existierte als Treffpunkt der beiden großen Machblöcke die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die in den Neunziger Jahren dann überging in die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Deren langjähriger Vizepräsident war der CDU-Politiker Willy Wimmer. Zuvor hatte Wimmer Bundeskanzler Kohl als Staatssekretär im Bundesministerium für Verteidigung gedient.
Willy Wimmer musste allerdings feststellen, dass seine OSZE irgendwann von den Hardlinern in der Regierung der USA lediglich als unerwünschtes Hemmnis ihrer außenpolitischen Ambitionen angesehen und massiv torpediert wurde. Mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien wurde endgültig deutlich: rechtsverbindliche internationale Ordnungssysteme waren durch die blanke Gewalt der USA beiseite gedrückt worden. Im Jahre 2004 hörte Wimmer den Mastermind der US-amerikanischen Weltherrschaft, Henry Kissinger, in Peking bei einem Ehemaligentreffen großer Staatsmänner konsequenterweise sagen: das Völkerrecht gilt definitiv nicht als Leitlinie der Außenpolitik der USA.
Wo die international verbindlichen Richtlinien des Umgangs miteinander nicht mehr gelten, und wo auch die informellen und offiziellen Gesprächskanäle zwischen potentiellen Kontrahenten ausgeschaltet sind, haben Konjunkturritter des Krieges freie Hand. Das für die Gegenwart, aber auch für die Vergangenheit aufzuweisen, dafür sind Willy Wimmer und sein Co-Autor Wolfgang Effenberger in ihrem 600-Seiten-Wälzer „Wiederkehr der Hasardeure“ angetreten. Wobei Wolfgang Effenberger in seinem Part einen riesigen Parforceritt absolviert vom Westfälischen Frieden im Jahre 1648 bis zum Anfang des Ersten Weltkriegs.
Diese Zeitspanne ist geprägt von einander ablösenden internationalen Ordnungssystemen, die den einfachen Menschen den Landfrieden, also ein gewaltloses Miteinander, ermöglichte. Immer wieder jedoch gab es Störenfriede. Aber bis 1914 folgte auf das Chaos eine immer stärkere Friedensordnung. Wie auf erneute Infektionen eine immer stabilere Immunisierung folgt.
Und im Jahre 2014 kam man um die Frage selten herum, wer denn nun den Ersten Weltkrieg ausgelöst habe? Der australische Historiker Christopher Clark hatte gerade die allzu simple These von der deutschen Alleinschuld durch das salomonische Urteil abzulösen versucht, dass doch alle Nationen ein bisschen Schuld seien. Das internationale Konsultationssystem habe nicht funktioniert, weil die gegnerischen Machtblöcke die quasi chiffrierten Botschaften der jeweils anderen Seite nicht verstanden hätten. Effenberger fährt auf den Loipen Clarks, wobei er jedoch den Serben ein bisschen mehr Schuld als den anderen Völkern geben will. Die Serben hätten kein Interesse an einer Verständigung gehabt. Sie hätten böswillig Keile zwischen die löcke geschlagen. Diese „nationalstaatliche Verengung“ <1> in der Sichtweise blendet leider die Rolle von Konzernen, Kartellen und Pressure Groups aus, die auch im Vorfeld des Ersten Weltkrieges, ganz genauso wie heute, ihre eigenen Fäden ziehen, um die fragilen Netzwerke des friedvollen Ausgleichs zu zerstören. Kaiser Wilhelm II. wurde vom Alldeutschen Verband und dem Deutschen Flottenverein unter Druck gesetzt. Die US-Präsidenten handelten in enger Abstimmung mit den großen Stahlkonzernen und Banken, allen voran JP Morgan.
Das war früheren Generationen in ihrem kollektiven Gedächtnis durchaus präsent. Die Bolschewisten hatten aus den zaristischen Archiven wertvolle Beweise für jene Machenschaften der Kriegsprofiteure der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Von den „Merchants of Death“, den Händlern des Todes, war die Rede. Und ein Untersuchungsausschuss des Washingtoner Kongresses ging dieser Frage Ende der Dreißiger Jahre nach. <2> Diese Erkenntnisse sind heute leider aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt.

Willy Wimmer geht in seinem Beitrag hart mit dem Unilateralismus der USA ins Gericht. Die Friedensordnung der OSZE ist unter anderem Willy Wimmers Werk, und er leidet darunter, dass die USA sein Lebenswerk zerstört haben. Landauf, Landab, bei Links sowohl wie bei Rechts, spricht Wimmer zu den Menschen vor Ort und macht ihnen klar: wenn wir nicht energisch darauf bestehen, Völkerrecht und internationale Konsultationsorganisationen wieder zum Leben zu erwecken, werden wir geradewegs in eine richtig große Katastrophe hineinschlittern <3>.
Wimmer neigt dazu, seine Generation von Politikern und sein damaliges politisches Umfeld ein wenig zu verklären, nach dem Motto: unter Kohl hätte es das nicht gegeben! Er hat aber leider nicht ganz Unrecht. Helmut Kohl ist ein Monolith aus der geruhsamen, bescheidenen Bonner Ära der Bundesrepublik. Mag Kohl auch die Folklore der Korruption in die Bonner Republik eingebracht haben: er war ein Gefühlsmensch, der zuerst Gorbatschow als zweiten Goebbels zu diffamieren wusste, um dann im persönlichen Umgang dem sowjetischen Gefühlsmenschen ganz gerührt ewigen Frieden im gemeinsamen Haus Europa zu schwören – Indianer-Ehrenwort! Die NATO würde keinen Millimeter weiter nach Osten vorrücken.
Und wenn Wimmer sagt, unter Kohl hätte es die deutsche Beteiligung am widerwärtigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien nie gegeben: den großen Sohn Oggersheims hat zumindest die Gnade der rechtzeitigen Entmachtung davor bewahrt, zwischen seinem Gewissen und der Bündnistreue zum großen Bruder aus Übersee wählen zu müssen. Es waren sodann die charakterlosen neuen Machtmenschen und Lügner der Berliner Republik wie Gerhard Schröder oder Joschka Fischer, die tatsächlich dort weiterzumachen die niedrige Stirne besaßen, wo Hitler aufhören musste: bei der Bombardierung Belgrads.
Es sind immer wieder auch anekdotische Häppchen, die uns Wimmer aus den inneren Machtzirkeln zukommen lässt, die das Buch lesenswert machen. Da berichtet er, dass US-amerikanische Regierungsmitarbeiter bezüglich des Jugoslawienkriegs ganz offen zugaben: sie haben den Balkanstaat nur zerstört und filetiert, weil sie einen Korridor vom Kaspischen Meer bis zum Mittelmeer für ihre Öltransporte benötigen. Und so befindet sich inmitten der postjugoslawischen Zwergstaaten eine der größten US-Militärbasen namens Bond Steel.
Neben dem Anekdotischen die Kernthesen: Wimmer sieht in der Abschaffung der Wehrpflicht ein Instrument, die Bundeswehr als brutalisierte aggressive Profiarmee für Auslandseinsätze unter der Regie der USA einzusetzen. Denn wo kein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung in den Streitkräften vertreten ist, fehlt auch die Kontrolle der Bundeswehr durch betroffene Angehörige. Weil die Wehrpflicht wehrkraftzersetzend wirken kann, hatte ja dereinst US-Präsident Nixon die Wehrpflicht abgeschafft, als Konsequenz aus der Niederlage im Vietnamkrieg.
Zudem ist Wimmer die Erhaltung des Parlamentsvorbehalts eine Herzenssache: in Deutschland ist der oberste Kontrolleur der Streitkräfte das vom Volk gewählte Parlament, und nicht die Regierung. Den Bundestagsabgeordneten gegenüber sind die Soldaten rechenschaftspflichtig. Das möchten den USA ergebene Politiker wie Ursula von der Leyen oder Frank Walter Steinmeier nun heimlich, still und leise ändern. Schleichend, aber wirkungsvoll soll dem Parlament die Kontrolle über die Bundeswehr aus den Händen gewunden werden. Sollten die Transatlantiker mit dieser Masche Erfolg haben, sei einer direkten Kontrolle unserer Streitkräfte durch die USA Tür und Tor geöffnet, und wir wären dem hemdsärmeligen, völkerrechtsfreien Agieren der USA wehrlos ausgeliefert, warnt Wimmer.

Wir leben in einer Zeit, in der wichtige politische Konsultationsmöglichkeiten gekappt sind. In diesem Vakuum können die Händler des Todes, die Hasardeure, ungehemmt agieren. Das Volk darf sich nicht länger darauf verlassen, dass die Politiker, welcher Couleur auch immer, unter diesen Umständen das schlingernde Schiff noch einmal heil um die Klippe steuern. Der oberste Souverän, das Volk, muss energisch eine massive Kurskorrektur erzwingen. Das ist die bedeutende Botschaft von Willy Wimmer.

Anmerkungen
<1> So Klaus Schwabe in seiner Rezension von Clarks „Schlafwandler“:
http://www.sehepunkte.de/2013/10/22702.html
<2> einige Fragmente jenes kollektiven Bewusstseins sind noch auffindbar: https://mises.org/sites/default/files/The%20Merchants%20of%20Death_2.pdf
http://www.senate.gov/artandhistory/history/minute/merchants_of_death.htm
<3> „Willy Wimmer auf Lesetour am Bodensee – begleitet von Ken Jebsen

Wolfgang Effenberger/Willy Wimmer: Wiederkehr der Hasardeure – Schattenstrategen, Kriegstreiber, stille Profiteure – 1914 und heute.
Zeitgeist Verlag, Höhr-Grenzhausen 2014

Hermann Ploppa ist der Autor von: Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern; sowie: Hitlers Amerikanische Lehrer – Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus.

„Kriminelle Drahtzieher“

Der Schriftsteller Wolfgang Bittner bietet eine gut lesbare Darstellung der Hintergründe der Ukraine-„Krise“
Von Hermann Ploppa

Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn’s dem lieben Nachbarn nicht gefällt. Besonders wenn ein Land interessante Rohstoffe sein Eigen nennen kann, die für die Wirtschaft anderer Länder hochinteressant sind. Während allerorten ein Raunen über die „islamische Gefahr“ vernehmbar ist, werden reihenweise islamische Staaten von der „westlichen Wertegemeinschaft“ militärisch enthauptet, destabilisiert und daraufhin deren Bodenschätze, vornehmlich Erdöl, filetiert und abtransportiert. Wo kein funktionierender Nationalstaat mehr vorhanden ist, brauchen die Ölkonzerne nicht länger mit funktionstüchtigen Staaten zu teilen. Man gibt nur noch terroristischen Warlords ein Häufchen Bakschisch, damit diese die Bevölkerung in Schach halten. Vermeintlich kritische Geister in den westlichen Werteträgerstaaten sprechen dann gerne von einem „Versagen humanitärer Interventionen“.
Das Muster ist immer das Gleiche: die missliebige Regierung eines rohstoffreichen Landes wird diffamiert, ein Kokon von unhinterfragten Revolverstories umspinnt den Regenten des ins Fadenkreuz genommenen Landes. Das geschieht aber erst ab dem Augenblick, wo angebliche Oppositionelle in dem anvisierten Land eine Kampagne inszenieren, die dann in ihrer Bedeutung von westlichen Wertejournalisten enorm aufgebläht wird. Sollte das inszenierte nachfolgende Chaos nicht zum Regierungssturz reichen, muss eventuell durch Söldner Druck gemacht werden für den gewünschten Regime Change. Reicht auch das nicht, folgt als letztes Mittel die „Humanitäre Intervention“ – also die völkerrechtswidrige militärische Annexion eines Landes.
So sehen wir es mit geballten Fäusten in der Jackentasche sich jeden Tag abspulen in Afghanistan, Irak, Yemen, Kongo, Mali oder auch in Pakistan. Diese Länder sind aber alle schön weit weg.
Nun spult sich jenes obszöne Muster jedoch bereits vor unserer Haustür ab. Die Ukraine ist gerade mal durch Polen von unserer Grenze getrennt. Dass auch dort mit harten Bandagen gearbeitet wird, erkennt man schon an den mittlerweile über einer Million Flüchtlingen, die vor dem ukrainischen Gemetzel flüchten. Jetzt müssen die Ukrainer dafür büßen, dass sie im Jahre 2004 in Folge der Orangenen Revolution, die von den transatlantischen Netzwerkorganisationen wie dem German Marshall Fund of the US und der Open Society Foundation des Währungsspekulanten George Soros eingefädelt wurde, nicht jauchzend ihrer Totalenteignung durch marktradikale Seilschaften zugestimmt haben; sondern später einen dem Westen weniger zugeneigten Politiker namens Janukowytsch zu wählen die Stirne besaßen.
Doch auch hier musste der Regime Change mit der Brechstange erzwungen werden. Waren bei den Maidan-Demonstrationen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew anfangs durchaus noch integre, um ihre Zukunft besorgte Bürger anwesend, so wurde der Maidan-Platz später zunehmend von brutalen Landsknechten mit schusssicheren Westen und Hakenkreuzen auf den geschorenen Schädeln bevölkert. Die „Normalbürger“ verschwanden. Wer hatte diesen Metzgergesellen wohl ihre sehr kostspieligen Kampfanzüge bezahlt?
Wolfgang Bittner hat über die Jahrzehnte viele belletristische Bücher geschrieben und sich damit einen Namen gemacht. Jetzt begibt er sich in die unruhige Arena der politischen Streitschriften. Bittner hat es nicht mehr ausgehalten, Tag und Nacht aus den absolut gleichklingenden „Qualitätsmedien“ Deutschlands eine Kakophonie von Lügengesängen zu vernehmen, wenn es um die so genannte „Krise“ in der Ukraine geht. Natürlich, niemand macht sich Illusionen über die Verhältnisse im anliegenden Russland. Dennoch ist mit Händen zu greifen, dass die Gruselstories über Putin, die mehr über die kranken Phantasien ihrer Autoren als über Putin verraten, mit der Realität bestenfalls eine minimale Teilmenge aufweisen. Als Putin mal öffentlich Tränen übers Gesicht huschen, spintisiert das Springer-Organ Die Welt: „Er wischt sie (die Tränen) weg, der kleine Narziss. Das Volk daheim soll Derartiges nicht sehen. Aber war es wirklich Selbstliebe und nicht der selbstmitleidige Gefühlsausbruch eines Überforderten? Die breiten Schultern mögen noch stählern wirken, das mit Botox behandelte Gesicht aber spricht die Sprache von Selbstzweifel und Alterungsangst.“
Eine solche respektlose Sprache der Entmenschlichung wird von der westlichen Wertegemeinschaft immer dann in die Propaganda eingespeist, wenn der Sturz eines Regenten ernsthaft vorbereitet wird. So gischtete es gegen Ghaddafi, Saddam Hussein, Assad, aber auch gegen den demokratisch einwandfrei legitimierten Hugo Chavez.
Bittner beschreibt in seiner Streitschrift noch einmal die Entwicklungsgeschichte der Eskalation in der Ukraine: wie mit fünf Milliarden US-Dollar proamerikanische Netzwerke in der Ukraine aufgebaut wurden. Wie die Unzufriedenheit mit Präsident Janukowytsch immer mehr in einen Ruf nach Aufnahme in die Europäische Union umgemünzt wurde – was bekanntlich deckungsgleich ist mit den Expansionsplänen der EU. Wie dann die Unübersichtlichkeit am Maidan-Platz genutzt wurde, um durch ein Massaker prowestliche Kräfte an die Macht zu putschen. Wie sich die vornehmlich russisch sprechenden Ukrainer im Osten des Landes reorganisierten, um sich von der faschistischen Junta in Kiew fernzuhalten. Wie der Übertritt der Krim zu Russland als Vorwand genutzt wurde, um einen Wirtschaftskrieg gegen Russland anzufangen. Wie der Abschuss der MH-17 zu einer weiteren Verschärfung der Sanktionen ausgenutzt wurde.
Wobei deutlich wird, dass diese Ereignisse offensichtlich dafür herhalten müssen, schon lange geplante geostrategische und wirtschaftliche Expansionsabsichten des Westens zu rechtfertigen und notdürftig zu ummanteln. Im Prinzip ist jede Handlung Russlands oder der Ostukrainer geeignet, den Kriegsgrund abzugeben, so z.B. auch die russischen Hilfslieferungen für die notleidenden Menschen in der Ukraine.
Gorbatschow hatte 1989 die DDR an die Bundesrepublik abgegeben, um für die Selbsterhaltung der versinkenden Sowjetunion einen westdeutschen Megakredit zu erhalten, den die US-Banken nicht gewährten. Dafür ließ sich der damalige Kreml-Chef von den Westmächten hoch und heilig versprechen, dass die NATO nicht weiter gen Osten vorrücken würde. Heute, ein Vierteljahrhundert später, sind sämtliche Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes bis an die Zähne bewaffnete Mitglieder der NATO. Niemand braucht zu glauben, die NATO würde sich mit dem nunmehr Erreichten zufriedengeben.
Der Krieg hat bekanntlich drei Bestandteile. Er setzt sich zusammen aus Waffengängen verschiedener Härtegrade. Zudem gehört zum Krieg das Abwürgen der wirtschaftlichen Hauptschlagader des Kriegsopfers. Und schließlich gehört dazu der Krieg an der Propagandafront. Alle drei Instrumente des Krieges werden augenblicklich gegen Russland betätigt. Und Wolfgang Bittner zeigt in seinem Buch, wie dieser schmutzige Krieg gegen Russland gehandhabt wird. Dazu holt er auch immer wieder sachkundige Zeugen und Kommentatoren herbei, wie z.B. den ehemaligen Vizepräsidenten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Willy Wimmer. Oder auch Albrecht Müller, Daniele Ganser, Karel van Wolferen, John Mearsheimer oder den Altmeister der Entspannungspolitik, Egon Bahr. Für Menschen, die sich einen raschen Überblick über die Positionen jener mutigen Denker verschaffen wollen, die nicht in den ebenso pathologischen wie monotonen Einheitschor der Exponenten unserer westlichen Wertegemeinschaft einstimmen, ist dieses Buch ein guter Einstieg. Eine konzise Abrechnung mit jenem delirierenden Tanz am Abgrund eines möglicherweise finalen Krieges.

Wolfgang Bittner: Die Eroberung Europas durch die USA – Eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung am Beispiel der Ereignisse in der Ukraine.
VAT Verlag, Mainz 2014. 12.90 Euro

Hermann Ploppa ist Autor der Bücher: Die Macher hinter den Kulissen – wie transatlantische Netzwerke die Demokratie unterwandern. Sowie: Hitlers Amerikanische Lehrer – Die Eliten der USA als Geburtshelfer der Nazi-Bewegung.