China hat die USA bereits überholt …

China schon jetzt Nummer Eins?

 

Sogar in den transatlantischen Netzwerkorganisationen wird immer offener über eine Ablösung der USA als Welt-Hegemon durch China nachgedacht

 

Hermann Ploppa

 

„Sind wir hier beim Kaiser von China?! Sind wir vielleicht tributpflichtige Barbaren?“ Eine US-amerikanische Delegation von hochkarätigen Milliardären und Turbo-Intellektuellen stellt sich irritiert diese Frage, als sie in Peking vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping empfangen wird. „Wie eine Klasse von Schulkindern“ werden die Alphas aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Halbkreis um den vor ihnen thronenden Xi plaziert. Der macht ihnen klar, dass er ein Volk mit einer 5000-jährigen Geschichte repräsentiert, wogegen die noch nicht einmal 300 Jahre währende Existenz der USA sich wie eine flüchtige Episode ausmacht.

Ja, der Ton der Chinesen gegenüber ihren ehemaligen westlichen Dompteuren hat sich grundlegend geändert. Mit dieser Szene vom November 2013 eröffnet der Redakteur der Financial Times, Gideon Rachman, sein Buch Easternisation – War and Peace in the Asian Century.<*> Rachman war bei jener für die westlichen Hierarchen so bedrückenden Begebenheit persönlich anwesend. Als einer der ersten Mitstreiter der transatlantischen Netzwerkorganisationen und Medien wagt er anzusprechen, was man sich in diesen Kreisen nur hinter vorgehaltener Hand eingesteht: dass nämlich womöglich die geschichtliche Periode anglo-amerikanischer Weltbeherrschung zu Ende gehen könnte.

Oder: ist sie gar schon vorbei?

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Kulturkampf in den USA

USA: Bürgerkrieg 2.0

Die alte Wunde der Spaltung von Nord- gegen Südstaaten wird ohne erkennbare Notwendigkeit wieder aufgerissen

 

Hermann Ploppa

 

„Es gibt einen physischen Unterschied zwischen der weißen und schwarzen Rasse, der es den beiden Rassen für immer verbieten wird, politisch und gesellschaftlich auf gleichem Fuße miteinander zu verkehren.“ Abraham Lincoln <1>

 

Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich im freien Fall nach unten. Im Zustand der Desintegration, der Selbstzerfleischung. Der große Sozialvertrag von Präsident Franklin Delano Roosevelt oder Präsident Lyndon Johnsons Vision der Great Society, sozusagen die amerikanische Variante von Ludwig Erhards Politik des „Wohlstands für Alle“. Von Generationen von marktradikalen Sozialrasierern zerstäubt und vom Winde verweht. Die große kollektive Vereinsamung <https://www.heise.de/tp/features/Chronische-Einsamkeit-erhoeht-das-Risiko-eines-vorzeitigen-Todes-staerker-als-Fettleibigkeit-3793842.html> löscht jegliches Gefühl für Verantwortung für die Gemeinschaft aus. Der Ober-Selfie mit der getönten Gold-Tolle im Weißen Haus wird als zweiter Donald Duck, dem alles immer schief geht, von der Presse gezeichnet. Dabei hat Trump jedoch im Windschatten seiner außenpolitischen Blamagen innenpolitisch große Erfolge vorzuweisen. Der marktradikale Abbau von Umweltschutz, Sozialstandards und Gesundheitsfürsorge ist weit vorangeschritten.

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Die nordkoreanische Parabel

oder: wie die Welt mit einer schäbigen Schmierentragödie in Atem gehalten wird.

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Pappkulisse für eine Schmierenkomödie, nicht einmal gut genug für Hollywood

Erschreckend und wahr zugleich: wir werden mit dem nordkoreanischen Spektakel in einigermaßen regelmäßigen Abständen von etwa drei Monaten in Atem gehalten. Und so verliert jener Artikel von Hermann Ploppa, der am 30.4.2017 geschrieben und veröffentlicht wurde, auch nach Trumps Fire and Fury“-Rede nichts an Aktualität:

Wieder einmal große Aufregung: das letzte Paradies der Stalinisten, Nordkorea, soll schon wieder eine Rakete gezündet haben! 10.000 Kilometer weit soll das Teufelswerk fliegen können, und sei in der Lage sein, eine vollständig ungeschützte USA in ihrem Herzen zu treffen.

 

Bedaure, wie weit soll die Zumutung für den rationalen Verstand eines durchschnittlich gebildeten Menschen eigentlich noch gehen? Ein bitterarmer Kleinstaat soll in der Lage sein, die ganze Welt aus den Angeln zu heben?

 

Ein paar Fakten, in aller Ruhe:

  • Die sonst immer so exakt ermittelnden Geheimdienste können bis dato nicht einmal genau sagen, um welchen Raketentyp, den der Diktator Kim Jong Un höchstpersönlich in den Luftraum entlassen haben soll, es sich eigentlich handelt. Geschätzte Daten liegen vor über einen Raketentyp namens Taepodong 2. Demnach handelt es sich hier um eine so genannte ballistische Rakete. Ballistische Rakete? Richtig! Das ist jener Raketentyp, den dereinst Wernher von Braun für Hitlers Schergen als V2 (V für: Vergeltung) auf London zu schießen wusste. Ballistisch kommt von griechisch: ballein, was so viel wie „werfen“ bedeutet. Die Rakete wird in die Atmosphäre geschossen. Irgendwann erreicht sie den Punkt, an dem der Impuls durch den Startschuss aufgrund der Erdanziehung zum Stehen kommt. Ab diesem Scheitelpunkt wird die Rakete von der Erdanziehung unweigerlich nach unten gezogen. Die Kunst der ballistischen Raketensteuerung liegt nun darin, schon beim Start den Impuls und den Winkel so zu bestimmen, dass in der nun beschriebenen Flugbahn eine solche Parabel eingeschlagen wird, dass die Rakete mit ihrem mitgebrachten Sprengsatz am gewünschten Ziel einschlagen kann. Die Trefferwahrscheinlichkeit bei ballistischen Raketen liegt laut Wikipedia bei 50%! Die bisher bei nordkoreanischen Experimenten gestarteten Raketen sind entweder kurz nach dem Start auseinandergefallen (wie auch die gerade eben abgeschossene Rakete), oder sie ist irgendwo in den Pazifischen Ozean gefallen (gottlob hat sie dabei keine Schiffe getroffen und hoffentlich auch keine Fische).
  • Diese militärtechnisch vollkommen sinnlosen, weil ohne strategisches Umfeld stattfindenden Experimente kosten ein Schweinegeld, das buchstäblich in die Luft geschossen wird.
  • Nordkorea ist ein bitterarmes Land. Immer wieder kommt es dort zu Hungersnöten. Der Eisenbahnverkehr kommt immer wieder mangels Energiezufuhr zum Erliegen. Kein Witz: manchmal werden Dampflokomotiven mit Abfall (wie z.B. Plastiktüten) befeuert. Ärztliche Versorgung befindet sich auf Steinzeitniveau.
  • Immer wieder, besonders unter Präsident Bill Clinton, zahlten die USA große Geldbeträge an Nordkorea, angeblich, um Nordkorea für den Verzicht auf weitere Rüstungsexperimente zu belohnen, oder um Hungersnöte abzumildern. Wo das Geld gelandet ist, wurde nicht überprüft.
  • Immer wieder, wenn in Nordkorea ein Atombömbchen, oder um was auch immer es sich gehandelt haben mag, explodierte, oder eine Wernher-von-Braun-Saurier-Rakete sich in die Atmosphäre verirrte, passierte in Japan Unglaubliches. Japan ist nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtet worden, eine rein defensive Armee zu unterhalten. Mit maximal 100.000 Soldaten und einer militärischen Ausrüstung, die ausschließlich der Selbstverteidigung dient. Wie in der Schweiz, und anders als in Deutschland. Und jetzt? Nach jeder nordkoreanischen Raketen- oder A-Bomben-Operette wächst der Druck in Japan, von der Selbstverpflichtung auf reine Verteidigung abzurücken und massiv aufzurüsten. Gemeint ist bei diesem japanischen Rüstungslobbyisten-Drama natürlich nicht das moribunde Nordkorea, sondern China.
  • Auch die anderen westlich orientierten Militärmächte in Asien verspüren zunehmenden Druck, mehr öffentliche Gelder als bisher für die Rüstung auszugeben, allen voran auf Südkorea. Sie sagen Nordkorea – und meinen den wichtigsten Konkurrenten der USA, die Volksrepublik China.

 

Das sind die Fakten, und es ist unbegreiflich, warum dieses Blinde-Kuh-Spiel von niemandem aufgedeckt wird. Schwer nachvollziehbar ist auch, welche Rolle sich die Volksrepublik China in dieser Schmierenkomödie/tragödie selber zugeteilt hat. Verlierer ist wieder einmal das Volk. Unser Mitgefühl gehört dem Volk von Nordkorea, das vollkommen überflüssiges Leid ertragen muss in einem schäbigen globalen Schaustück.

 

Statement of Russian PM Medvedev concerning the recent sanctions of the US

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The US has adopted sanctions against Russia, and it has been watered down. The Russian Prime Minister, Medvedev, has published a statement. Since it is not expected that our propaganda media will be able to speak on the Russian side, here is a statement in the text:

“ the signing of a new sanctions law against Russia by the US President leads to several consequences. First of all, any hope of improving our relations with the new US Government is destroyed. Secondly, the US has just declared a full trade war to Russia (Full-scale trade). Thirdly, the Trump Government showed that it was completely powerless and had to leave the power to Congress in an extremely humiliating manner. This shifts the orientation of the forces in US political circles.

What does that mean for the USA? The American establishment has tricked Trump. The President is not satisfied with the new sanctions, but he could not avoid signing the new law. The purpose of the new sanctions was to put Trump on line. The final goal is to remove Trump from power. An incompetent player needs to be removed. At the same time, the interests of American companies were almost ignored. The policy has prevailed over the pragmatic approach. Anti-Russian hysteria has become a key element not only of US foreign policy (as has often been the case) but has also become one for US domestic policy (this is new).

The sanctions codified in the law will now last for decades, unless a miracle happens. Moreover, it will be tougher than the Jackson-Vanik law, because it is comprehensive and cannot be postponed with a special presidential decree without the approval of the Congress. Therefore, the future relationship between the Russian Federation and the United States will be extremely tense, regardless of the composition of the congress or the President’s personality. Relations between the two countries are now settled in international bodies and courts, which leads to further intensification of international tension and a refusal to resolve major international problems.

What does that mean for Russia? We will continue to work on the development of the economy and the social sphere, we will be able to deal with our imports and solve the most important public tasks – and above all rely on ourselves. We’ve learned this in recent years. Within almost closed financial markets, foreign creditors and investors will be afraid to invest in Russia because of the fear of sanctions against third parties and other countries. In some ways we will benefit, even though sanctions – in general – are meaningless. We’ll solve the problem.“

As far as the Russian government is concerned. It is expected that a deeply corrupt US Congress, with this measure, has further accelerated the isolation of the US and its rapid decline. A nation on an incestuous suicide trip…

Translation: Marianne Else. Comments by Hermann Ploppa

Rußlands Regierungschef zu Sanktionen der USA

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Foto: Jürg Vollmer

Die USA haben Sanktionen gegen Rußland erlassen, und das in Gesetze gegossen. Der russische Regierungschef Medwedjew hat daraufhin eine Erklärung veröffentlicht. Da nicht damit zu rechnen ist, daß unsere gleichgeschalteten Medien die betroffene russische Seite zu Wort kommen lassen wird, hier Medwedjews Erkklärung im Wortlaut:

„Die Unterzeichnung eines neuen Sanktionsgesetzes gegen Russland durch den US-Präsidenten führt zu mehreren Konsequenzen. Zunächst ist jede Hoffnung, unsere Beziehungen zur neuen US-Regierung zu verbessern, zunichte gemacht. Zweitens haben die USA Russland soeben einen vollen Handelskrieg (full-scale trade war) erklärt. Drittens zeigte die Trump-Regierung, dass sie völlig machtlos ist und in einer äußerst demütigenden Weise die Regierungsmacht dem Kongress überlassen musste. Dies verschiebt die Ausrichtung der Kräfte in den US-politischen Kreisen.

Was bedeutet das für die USA? Das amerikanische Establishment hat Trump ausgetrickst. Der Präsident ist mit den neuen Sanktionen nicht zufrieden, aber er konnte nicht vermeiden, das neue Gesetz zu unterzeichnen. Der Zweck der neuen Sanktionen war, Trump auf Linie zu bringen. Ihr finales Ziel ist es, Trump von der Macht zu entfernen. Ein inkompetenter Spieler muss beseitigt werden. Gleichzeitig wurden die Interessen der amerikanischen Unternehmen fast ignoriert. Die Politik hat über den pragmatischen Ansatz gesiegt. Anti-russische Hysterie hat sich zu einem Schlüsselelement nicht nur der US-Außenpolitik (wie es schon oft der Fall war) entwickelt, sondern ist auch zu einem solchen für die US-Innenpolitik geworden (dies ist neu).

Die in dem Gesetz kodifizierten Sanktionen werden nun jahrzehntelang dauern, es sei denn, ein Wunder geschieht. Darüber hinaus wird es härter sein als das Jackson-Vanik-Gesetz, denn es ist umfassend und kann nicht mit einem Sonderdekret des Präsidenten ohne Zustimmung des Kongresses verschoben werden. Daher wird die künftige Beziehung zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten äußerst angespannt sein, unabhängig von der Zusammensetzung des Kongresses oder der Persönlichkeit des Präsidenten. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern werden nun in internationalen Gremien und Gerichten geklärt, die zu einer weiteren Intensivierung der internationalen Spannungen und einer Weigerung führen, große internationale Probleme zu lösen.

Was bedeutet das für Russland? Wir werden weiterhin an der Entwicklung der Wirtschaft und der sozialen Sphäre arbeiten, wir werden damit umgehen, unsere Importe zu substituieren und die wichtigsten staatlichen Aufgaben lösen – und vor allem auf uns selbst zählen. Wir haben das in den letzten Jahren gelernt. Innerhalb fast geschlossener Finanzmärkte werden ausländische Gläubiger und Investoren Angst haben, in Russland wegen der Sorge von Sanktionen gegen Dritte und anderer Länder zu investieren. In gewisser Weise wird es uns zugute kommen, obwohl Sanktionen – im allgemeinen – bedeutungslos sind. Wir werden das Problem lösen.“

Soweit die russische Regierung. Es ist davon auszugehen, daß ein zutiefst korrumpierter US-Kongreß mit dieser Maßnahme die Isolierung der USA und ihren raschen Niedergang weiter beschleunigt hat. Eine Nation auf inzestuösem Suizid-Trip …

 

Fantasy und die realen Zusammenhänge der Macht

Bedrohliche Zeiten lassen den Wunsch nach einfachen Erklärungen aufkommen, der von interessierter Seite nur allzu gerne bedient wird.

 

Hermann Ploppa

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Quelle: Wolfram Esser

 

Immer mehr Menschen wachen jetzt politisch auf, denn das vorherrschende Mainstream-Narrativ von dem guten Westen, von dem Marktradikalismus, der uns allen nützt, von dem Wirtschaftswachstum, dem alles geopfert werden muss: das alles zieht nicht mehr. Zu eng ist der Riemen um den Hals der unbescholtenen Bürger gezogen worden. Es geht nicht mehr. Deutschlands zweitgrößte Stadt Hamburg: ein Spielort für den kommenden Bürgerkrieg. Schlafentzug für zwei Millionen Menschen durch bedrohliche Hubschrauber. Immer mehr Menschen wollen dagegen wissen, was wirklich gespielt wird.

Es ist schon erstaunlich, dass Heroin nicht erneut, wie in früheren Zeiten aufkommender Revolten, wie durch ein Wunder zu Niedrigstpreisen ins Land geflutet wird (1). Was aber schon geflutet wird, sind Videos aus den Werkstätten der Desinformation. Ich habe lange nicht mehr bei Youtube eine solche Flut von wirren, simplifizierenden Vorträgen, Smartphone-Botschaften und Interviews gesehen, in denen alles Übel dieser Welt wieder einmal Juden, Freimaurern, Jesuiten << https://usacontrol.wordpress.com/?s=Jesuiten>> , Illuminaten, ja sogar Aliens zugeschrieben werden wie gerade jetzt, wo Hamburg gebrannt hat. Da kommt als Erklärungsmuster, mehr oder minder dezent eingefädelt, für die marodierenden Brandstifter ein Komplott von Soros und Rothschild mit den „Linksradikalen“ auf unseren geistigen Bildschirm <<https://www.youtube.com/watch?v=e2krHFDrxGI&t=4s>>.

Bedaure, das ist ein Recycling von Altlasten aus der Fälschungswerkstatt des zaristischen Geheimdienstes Ochrana. Um den Reformstau im zaristischen Zarenregime zu rechtfertigen, bastelten die Ochrana-Agenten ein perfides Werk, das als „Die Protokolle der Weisen von Zion“ um die Welt ging, das sodann Grundlage wurde für Henry Fords  Artikelsammlung „Der Internationale Jude“. Und dieser Dialekt des Antisemitismus fand sodann Eingang in Adolf Hitlers Bestseller „Mein Kampf“.

Demzufolge arbeiten jüdische Bankiers mit revolutionären Linksradikalen Hand in Hand, um die Weltherrschaft der Juden zu erringen. Also jetzt: die jüdischen Finanziers Rothschild und Soros Hand in Hand mit den Straßenrabauken von der Sternschanze? Dass mit hoher Wahrscheinlichkeit agents provocateurs, eben auch und vor allen Dingen aus dem rechtsextremen Lager in Hamburg am Werk waren, ist nach dem jetzigen Erkenntnisstand sehr wahrscheinlich. Und dass George Soros in Verdacht steht, maßgeblich an Regime Change-Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Die simplifizierenden Weltdeuter bei youtube beharren jedoch auf einer Täterschaft der Linken, um ihr Muster aus den „Protokollen von Zion“ aufrechterhalten zu können.

Man sieht, dass solche groben Vereinfachungen komplexer Machtstrukturen schlimme Folgen haben können. Hier ist die klassische „Blitzableiterfunktion“ am Werk: marginalisierte Gruppen müssen schuld sein an allen Fehlentwicklungen, und sind deswegen auch vogelfrei. Dieser Technik bediente sich auch die Bild-Zeitung im Zusammenhang mit den Hamburger Ereignissen.

Zu den diversen Abarten der infamen „Protokolle“ gesellen sich im Internet Pamphlete US-amerikanischer christlicher Fundamentalisten und rechtsextremer Paranoiker. Fragmente, Ideologeme aus dem Kalten Krieg, angefertigt von der stramm antikommunistischen John Birch Society wabern im Internet, und feiern, fehlerhaft übersetzt, grausliche Urstände, indem sie auf die unvorbereitete deutsche Community herabgeregnet werden. Es ist sozusagen der politisierte Fantasy-Boom, übersetzt auf die komplexe Realität. Es kommt dem menschlichen Bedürfnis nach Anschaulichkeit, nach bösen Menschen, die man sich bildlich vorstellen kann, entgegen. Und so ist für einige Leute klar: seit dem Tempelbau von Jerusalem bis zum heutigen Tag sind alle Elite-Menschen sogar miteinander verwandt. Man glaubt es kaum: nach diesen grundstürzenden Erkenntnissen ist sogar Obama mit der Bush-Dynastie und der englischen Königin verwandt!

Wenn dieser gezielten Desinformationskampagne nicht argumentativ energischer entgegen getreten wird, laufen wir Gefahr, aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit (Immanuel Kant), aus der wir gerade erwacht sind, gleich in die nächste ungeistige Versklavung abgeführt zu werden.

Natürlich gibt es Clans und Dynastien, die eine Zeit lang ihren Willen einer Gemeinschaft aufdrücken können. Und das auch mit äußerst diskreten Mitteln. Die Rothschild-Bankiers haben im 19. Jahrhundert sowohl Bismarck durch ihren Mittelsmann Bleichröder als auch den Zarenhof in St. Petersburg mit den subtilen Mitteln des Geldflusses kontrolliert <2>. Doch Dynastien kommen und gehen. Auf die Karolinger folgten die Salier, und auf diese die Staufer. In der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts hatte unverkennbar das Bankhaus JP Morgan entscheidenden Einfluss auf die Politik. Und momentan, das ist ebenfalls nicht zu übersehen, beherrscht das Bankhaus Goldman Sachs die Szene in einem Ausmaß, das aus demokratischem Blickwinkel betrachtet äußerst bedenklich erscheint. Zudem hatte die Rockefeller-Dynastie bis vor einigen Jahren einen prägenden Einfluss ausgeübt.

Aber: diese Bankhäuser und Dynastien können nicht regieren wie absolutistische Könige. In der modernen Mediengesellschaft müssen sie ihre Akzeptanz sowie die stillschweigende Duldung durch immer neue Koalitionen und durch Manipulationen der öffentlichen Meinung erkämpfen. Durch materielle Tribute. Oder durch nackte Einschüchterung und Psychoterror. Die entsprechenden Strategien werden in den einschlägigen Gravitationszentren wie Council on Foreign Relations, Bilderberger oder Trilaterale Kommission immer neu austariert.

Aber das ist nicht alles. Im Hintergrund, unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, ringen Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen um das grundlegende Dogma. Frage ist: soll sich die Wirtschaft völlig unbeeinflusst vom Staat entwickeln, oder soll ein proaktiver Staat für das Wohl aller seiner Bürger sorgen? Richard Cockett <3> sieht im wirtschaftspolitischen Paradigma eine ständige Pendelbewegung von etwa 80 Jahren: zunächst herrschte der feudale Merkantilismus. Der wurde abgelöst durch eine Politik des radikalen Freihandels und der ökonomischen Untätigkeit des Staates. Ab 1880 folgte dann eine Phase, in der der Staat aktiver Spieler in der Wirtschaftspolitik wurde, und Schutzzölle den Welthandel bremsten. Seit den 1930er Jahren erleben wir nun eine erneute Phase der Ideologie des Freihandels und des Rückzugs des Staates, die ab Mitte der 1970er Jahre für uns alle nicht mehr zu übersehen ist. Das ist die Ideologie des Marktradikalismus, fälschlich auch Neoliberalismus genannt.

 

Und da ist eine Kleinigkeit beim G20-Gipfel, die bislang überhaupt noch nicht richtig gewürdigt worden ist: beim Gruppenfoto der zwanzig Staatenlenker und der Vertreter der Nichtregierungsorganisationen wie UNO oder IWF steht von uns aus rechts neben der Gastgeberin Merkel der chinesische Präsident, und direkt daneben der russische Präsident Putin. Der ständig rüpelnde US-Präsident Donald Trump steht wie ein begossener Konfirmand fast ganz links außen <<https://web.de/magazine/politik/g20-gipfel/g20-gipfel-hamburg-donald-trump-gruppenfoto-aussen-32417294>>

. Auch wenn es dafür protokollarische Gründe geben mag: dieses Gruppenbild mit Dame visualisiert die aktuelle Machtverschiebung auf unserem Globus perfekt. Die USA sind nicht mehr länger Nabel der Welt. Sie sind isoliert, wie Noam Chomsky jüngst bemerkte << https://www.youtube.com/watch?v=edicDsSwYpk>> .

Der Aufstieg Chinas zum wirtschaftlichen Giganten ist quasi von den USA erzwungen worden. Der US-amerikanisch geprägte Marktradikalismus wurde nach dem Massaker auf dem Tienanmenplatz 1989 von Milton Friedman und seinen Schülern in die Volksrepublik implantiert <4>. Die Chinesen zeigten sich zunächst als gelehrige Schüler Friedmans, wichen aber zum Ärger der US-Ideologen doch vom Plan ab und bauten ihren proaktiv in die Wirtschaft eingreifenden Staat energisch aus. Das ist das wirkliche Erfolgsrezept Chinas. Das verärgert die Marktradikalen, die das ordnende Eingreifen des Staates in das Wirtschaftsgeschehen als „Marktstörung“ brandmarken.

Das sind die wirklichen Fakten im Zusammenhang mit G20. Damit müssen wir uns befassen. Das ist letztendlich auch viel spannender als Aliens und Jesuiten. Mit Paradigmen der Wirtschaftspolitik. Mit den subtilen, sich immer wieder wandelnden Koalitionen in den Eliten. Mit der Gewinnung von kultureller Hegemonie, vielleicht ja auch mal von der Basis gegen die Eliten durchgesetzt. Dazu bedarf es kollektiver Kraftanstrengung und dem Aufwand von viel Gehirnschmalz.

Die Multiplikatoren primitiver feudalabsolutistischer Erklärungsmodelle für unsere komplexe Welt müssen dagegen gefragt werden, ob sie aus Denkfaulheit oder aus zynischem Machtkalkül die Gehirne der Menschen draußen im Lande mit den abgetragenen Kleidern aus der zaristischen Mottenkammer der Ochrana verstopfen und das Sprungbrett liefern wollen für die erneute Jagd auf Minderheiten.

 

Anmerkungen

<1> Alfred W. McCoy: The Politics of Heroin in Southeast Asia. Harper & Row New York. 1972.

<2> Fritz Stern: Gold und Eisen – Bismarck und sein Bankier Bleichröder. München 2011.

<3> Richard Cockett: Thinking the Unthinkable. Think Tanks and the economic counter revolution. London 1994.

<4> Naomi Klein: Die Schockstrategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt/Main 2007. S.239ff

 

Aus dem Archiv: Skull and Bones

von Hermann Ploppa,

Artikel zuerst erschienen am 18.5.2004 in der jungen Welt

neu aufgelegt, weil er im Internet sonst nicht mehr verfügbar wäre:

George Bush oder John Kerry: ein Sieger steht schon fest: Die geheime studentische Verbindung „Skull and Bones“ von der Universität Yale.

Ein Sieger der Präsidentenwahl in den USA im November steht bereits fest. Die elitäre studentische Verbindung „Skull and Bones“ („Schädel und Knochen“) wird auch den neuen Präsidenten aus ihren Reihen rekrutieren. „Skull and Bones“ ist einer von sieben studentischen Geheimbünden auf dem Campus der privaten Yale-Universität in der altehrwürdigen Ostküstenstadt New Haven im beschaulichen Bundesstaat Connecticut.

Können Sie sich vorstellen, wie George W. Bush oder der drahtige John Kerry sich nackt im Schlamm suhlen? Wie hochrangige Persönlichkeiten der einzig verbliebenen Weltmacht in einem Sarg liegen und den Corpsbrüdern ihre sexuellen Eskapaden beichten? Wie sie anschließend auf allen Vieren zu einer als Don Quichotte verkleideten Gestalt kriechen und  deren rote Puschen küssen? Das kann man sich tatsächlich schwer vorstellen, gehört aber zu der Zeremonie, die durchmachen muss, wer unkündbares Mitglied der „Skulls“ werden will. John Kerry wurde 1966 initiiert, George Bush junior im bewegten Jahre 1968. Aufgeklärte Bürger der USA sind beunruhigt über die Zusammenballung von exekutiver Machtbefugnis in den Händen einer kleinen exklusiven Gruppe. Die „Skulls“ rekrutieren jedes Jahr nur 15 neue Mitglieder. Deren Karrieregang wird von früheren „Skulls“-Jahrgängen betreut. Die Alten Herren heißen „Patriarchen“, und es gibt bei etwa 280 Millionen US-Bürgern gerade mal 600 lebende „Skull and Bones“-Mitglieder. Die Frischbekehrten der exklusiven Yale-Bruderschaft müssen einen unverbrüchlichen Treueid auf den Orden schwören. Vor der Loyalität zu Vaterland, Religion und Familie rangiert die Verpflichtung gegenüber den geheimen Logenbrüdern. Da fragt man sich schon: Wie will so einer noch den Eid auf das Gemeinwohl der Vereinigten Staaten schwören können?

 

Aus einem Stall

 

Ein anderes Paradoxon: Der Herausforderer des US-Präsidenten hätte eigentlich keinen Mangel an guten Argumenten, warum Bush abgewählt werden müsste. Die Bilanz der Bush-Administration ist katastrophal. Der Irak-Krieg ist – trotz des schnell verkündeten Sieges – kein Ruhmesblatt für Bush und seine Mannschaft geworden. Der Staatshaushalt ist ruiniert. Konjunkturelle Aufschwünge ändern daran wenig. Versprochene Reformen, wie die der Krankenversorgung der Alten, können nicht finanziert werden.

Doch Herausforderer Kerry äußert sich zu den Schwachpunkten des Titelverteidigers nur sehr dezent. Sicher, Kerry findet ein Meinungsklima vor, das sich grundsätzlich im Einklang mit der Regierung befindet. Nach wie vor machen die meisten US-Bürger keinen Unterschied zwischen Saddam Hussein und Al Qaida. Die Presse in den USA – löbliche Ausnahmen wie New Yorker und New York Times bestätigen die Regel – löst diese von der Regierung gewollten Irrtümer nicht auf. Als Bush von Marsausflügen tagträumte, haben die Medien die Schimären ernsthaft diskutiert. Kerry muss einer Hofpresse Rechnung tragen, die „jede noch so haltlose Meinung, jede abstruse These und noch die abseitigste Position ernst nimmt“. So der Princeton-Ökonom Paul Krugman.

Dennoch ist es erstaunlich, wenn der Herausforderer in allen Grundpositionen mit der Bush-Administration übereinstimmt. Auch Kerry will Ariel Scharon ohne Wenn und Aber unterstützen. Den Bellizismus der Bush-Dynastie und des mit ihr verbündeten  Project for a New American Century (PNAC) versucht Kerry rhetorisch zu übertrumpfen: Bush, der Kriegsdrückeberger; Kerry, der Vietnamkriegsheld. Dass von Kerry keine Renaissance eines New Deal oder auch nur eine Neuauflage der Clintonomics zu erwarten ist, könnte seinen Grund im wahlarithmetischen Kalkül haben. Gewiss spielt aber auch die Bush und Kerry gemeinsame Sozialisation durch exklusive Seilschaften an Elite-Unis eine Rolle.

 

Pfründeverteilungsorden

 

Vielleicht kann in den USA immer noch ein Tellerwäscher Millionär werden. Besser ist es allerdings, die richtigen Eltern zu haben. Der Weg in die Spitzenämter von Wirtschaft, Politik und Kultur führt über die Elite-Universitäten der Efeu-Liga, der Ivy League. Während die staatlichen Unis ums nackte Überleben kämpfen, schwimmen die berühmten acht Privatuniversitäten nur so im Geld. Harvard, der Tabellenführer, verfügt über ein Vermögen von 19 Milliarden Dollar. Die New Yorker Columbia-Universität ist der zweitgrößte Grundstückseigentümer im Bundesstaat New York.

Damit nicht gewöhnliche Sterbliche die komfortable Ruhe der studierenden Sprösslinge aus den edlen neuenglischen Ostküstenfamilien der Cabot Lodge, Coolidge, Forbes oder   Harriman stören, sind die Studiengebühren so preiswert wie ein guter Mittelklassewagen. In Yale kostet das Studienjahr 28 000 Dollar. Das verschulte Curriculum währt drei Jahre bis zum Unterexamen. Es folgt ein Vorbereitungsjahr zum Vollexamen.

An allen acht Efeu-Universitäten sind Studentenbünde zu Hause. Sie suchen gezielt die Seilschaften für das spätere gemeinsame Vorpreschen in die Chefetagen zusammen. Da geistern durch Yale neben den „Skull and Bones“ die „Scroll and Key“, „Book and              Snake“, „Wolf’s Head“, „Eliahu“ oder „Berzelius“. Verglichen mit diesen Pfründeverteilungsorden muten deutsche Burschenschaften geradezu egalitär und demokratiesüchtig an. Deutsche Corporationen „keilen“ fast jeden Studienanfänger, der in der Lage ist, einen Bierhumpen zu stemmen.Nicht so die „Skull and Bones“. Die ordenseigenen Talentesucher beobachten auf dem Campus genau, wer in den drei Jahren bis zum Undergraduate besondere Aktivitäten gezeigt hat. So ist ihnen auch der eloquente, unerträglich ehrgeizige John Forbes Kerry aufgefallen.

Der „Skull and Bones“-Orden gehört einer eingetragenen Firma, der Russell Trust Association. Diese ist dem Bundesstaat Connecticut so wichtig, dass er 1943 per Gesetz die Russell-Gesellschaft von der Berichtspflicht gegenüber dem Staat entband. Die Sippe des Ordensstifters William Huntington Russell machte ihr Vermögen im Opiumhandel mit China. Der „Skull and Bones“-Orden wurde 1833 gegründet und erhielt als Emblem die Piratenflagge mit dem Totenschädel und den gekreuzten Knochen.

„Skull and Bones“ ist eine von vielen hermetischen Elitegruppen der Ivy League, die entscheidenden Einfluss auf die Politik der USA nehmen. Theodore Roosevelt war Mitglied in der studentischen Geheimverbindung Pig Club in Harvard. Die Brüder Allan und John Foster Dulles, die faktisch die Politik der USA in den 1950er Jahren bestimmten, gehörten dem Ivy Club in Princeton an. Franklin Delano Roosevelt musste sich mit dem gemäßigten Fly-Club begnügen.

Die Mitglieder dieses außerordentlich wohlhabenden Netzwerkes eint das Bewusstsein, als Elite auserwählt zu sein. Mit Ekel schauen diese Vorzugsmenschen auf die Massen herab. Rechtspopulistische Bewegungen wie die Rednecks oder die  McCarthy-Inquisition waren ihnen taktisch willkommen und dennoch zutiefst zuwider. Die Ivy-League-Menschen schätzten klassische Bildung: antike Literatur, englische Hochliteratur, besonders Lyrik. Sie förderten T.S. Eliott und Ezra Pound. Theodore Roosevelt las in arbeitsfreien Minuten griechische Klassiker im Original. Man verstand sich zudem als Pressuregroup moderner Forschung.

 

Nährboden der CIA

 

So überrascht es nicht, dass Irving Fischer („Skull and Bones“ 1888) Gründungspräsident der American Eugenics Society wurde. Die Vorstellung, die Qualität der Massenmenschen durch gezielte Zuchtwahl und Aussiebung der Kranken und Schwachen anzuheben, hatte unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Elitemenschen an der Ostküste. Eine herausragende Stellung als Förderer der Eugenik erlangte Averell Harriman, dessen Dynastie ihren Reichtum durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes in den USA erwarb. Zusammen mit George Herbert Walker („Skull and Bones“ 1927) fasste Averell Harriman die eugenischen Forscher u.a. aus Deutschland, England und Skandinavien zu einem schlagkräftigen Weltverband zusammen. Auf dem Eugenik-Weltkongress 1932 sorgte Harriman dafür, dass der deutsche Eugeniker Ernst Rüdin zum Vorsitzenden des Weltverbandes gewählt wurde.

Während sich Averell Harriman um die Verbesserung der menschlichen „Rasse“ kümmerte, arbeitete ein anderer „Skull and Bones“-Patriarch an der Beeinflussung des Bewusstseins der Massen. Henry Robinson Luce baute nacheinander Time-Magazine,  Fortune, Life and Sports Illustrated auf. 1923 gibt ihm ein Netzwerk von 72 Wall-Street-Investoren das nötige Geld, damit Luce mit 18 Redakteuren – elf davon Absolventen aus Yale – die erste Nummer von Time starten kann. Harriman war einflussreicher Demokrat, Luce setzte die Macht seiner Presse für die Republikaner ein.

Den Erfolg jener Eliteherrschaft sichern diskrete Operationen, die – an Legislative, Exekutive und Judikative vorbei – entscheidende Weichen stellen. Es verwundert in diesem Zusammenhang nicht, dass der elitäre Campus der Yale-Universität einen idealen Nährboden für die CIA hergab. Durchgeistigte Lyriker wie James Jesus Angleton oder Cord Meyer verließen die Redaktionsklause ihrer poetischen Campuszeitung Yale Lit, um in Europa mit „dirty tricks“ linke Milieus aufzumischen. Yale-Geschichtsprofessor Gaddis Smith beschreibt die innere Beziehung zwischen Yale und CIA:

„Yale hat die CIA stärker beeinflusst als irgendeine andere Universität. Das gibt der CIA bisweilen den Charakter eines Klassentreffens.“

 

Parallelregierung

 

Einen Gipfelpunkt in der Umgehung demokratischer Kontrollinstanzen erklomm George Bush senior („Skull and Bones“ 1948, zeitweilig CIA-Chef). In seiner Eigenschaft als Vizepräsident unter Ronald Reagan ließ er in der eigens für ihn gegründeten Special Situation Group alle Informationsfäden zusammenlaufen. Sogar der Nationale Sicherheitsrat wurde zur Akklamationsinstanz degradiert. Über die Special Situation Group führte Bush ein Regiment, dessen Konturen bruchstückhaft in der Iran-Contra-Affäre sichtbar wurden. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses für Geheimdienste, der Demokrat David Lyle Boren („Skull and Bones“ 1963) nannte die Machtmaschine von George Bush sen. eine „Parallelregierung“.

Das provokante Vorgehen von George Bush ist schuld daran, dass die Öffentlichkeit auf „Skull and Bones“ aufmerksam wurde. Als Bush Präsident werden wollte, fragte 1988 die Washington Post: „Hat der Vater von George Bush ein Grab geschändet?“ Papa Prescott Bush brach nämlich 1919 mit einigen seiner Corpsbrüder als „Skull and Bones“-Stoßtruppe mitternächtlich auf einen Friedhof ein und entnahm dem Grab des Apachenhäuptlings Geronimo dessen Schädel. Der Schädel wurde sodann als Trophäe in einer Glasvitrine im „Skull and Bones“-Clubheim ausgestellt.

Jene Pietätlosigkeit von Prescott Bush brachte die „Skulls“ den Ruch des Rassismus ein. In der Tat war der Orden lange Zeit der extreme Ausdruck des WASP-Dünkels. WASP steht für „White Anglo Saxon Protestants“. Gemeint sind die weißen anglophilen protestantischen Geldaristokraten von der Ostküste, deren Vorfahren tunlichst schon auf der „Mayflower“ mitgefahren zu sein hatten.

Die Kolportage der Washington Post traf nicht ganz ins Schwarze. Denn George Bush senior erkannte als einer der Ersten im WASP-Lager, dass demographische Umschichtungen zuungunsten der weißen Protestanten die Mehrheitsfähigkeit seiner Machtbasis über kurz oder lang obsolet machen könnten. So kam es zu einer ethnischen Öffnung bei den „Skull and Bones“. Seit geraumer Zeit soll es bei dem Schädelorden Afroamerikaner, Homosexuelle und Frauen als willkommene Mitglieder geben.

 

Kerrys Zickzackkurs

Sind die „Skull and Bones“ möglicherweise politisch gar nicht  rechts orientiert? Sie sind sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern vertreten. Der mächtige Henry Stimson diente demokratischen wie republikanischen Präsidenten als                Minister. Der Nationale Sicherheitsberater von John F. Kennedy hieß McGeorge Bundy. Auch er ein „Skull“.

Der typische „Skull and Bones“-Aktivist kann in seinem Leben wechselweise Diplomat, Geheimagent, Minister, Wirtschaftsboss  oder Universitätsdekan sein. William Sloane Coffin („Skull and Bones“ 1948) wechselte gar von der Kanzel zum Agentenauto und zurück: „Nach einem Jahr auf dem Union Theological Seminary schien sich ein Krieg mit der Sowjetunion anzukündigen, und nun wechselte ich doch zur CIA, weil ich in diesem Krieg von Nutzen sein wollte.“ Der Krieg fiel gottlob aus, und in den 1960er Jahren profilierte sich Coffin als engagierter Vietnamkriegsgegner.

Und traf da gewiss auch John Kerry. Damals warf Kerry als dekorierter Vietnamkriegsveteran seine Orden ins Wasser. Frustrierte Veteranen folgten seinem Beispiel. Erstaunlicherweise fotografierte ein Reporter in Kerrys Haus genau diese Kriegsorden: Sie hingen algenfrei an der Wand. Warum Kerry als Senator gegen den ersten Golfkrieg, aber für Golfkrieg zwei optiert hat, weiß nur er allein. Kerrys Zickzackkurs in allen wichtigen Fragen der Politik ist hinlänglich bekannt. Verheiratet war er übrigens zunächst mit der geschiedenen Frau eines „Skull and Bones“-Mannes, bevor er Teresa Heinz, die milliardenschwere Witwe des Ketchupkönigs John Heinz („Skull and Bones“ 1931) ehelichte.

John Kerry wird gewiss niemals in seinem Leben einen Corpsbruder in Schwierigkeiten bringen. Weder Vater noch Sohn Bush. Als Senator saß er zusammen mit seinem republikanischen Kollegen Hank Brown einem Untersuchungsausschuss vor. Der Ausschuss sollte ermitteln, ob Regierungsstellen oder Geheimdienste unerlaubte Aktivitäten der pakistanischen Bank und Geldwaschanlage BCCI gefördert oder gedeckt hatten. Der Bericht ist lesenswert. Er beschreibt, wie CIA, der englische SIS, Zentralbanken, Waffen- und Drogenhändler, Warlords und BCCI zu einer einzigen globalen Firnisschicht verwachsen waren, und wie die US-Regierung mit billigen Tricks den Ausschuss daran hinderte, relevante Dokumente einzusehen. Kerry und Brown pickten sich Donald Regan und Oliver North als Hauptbösewichte der US-Regierung heraus. Der Mann, auf dessen Special Situation Group alle Fäden zulaufen, bleibt ausgespart: George Herbert Walker Bush.

Da der Kerry-Brown-Bericht erst im Dezember 1992, also einen Monat nach der Präsidentenwahl, herauskam, nützte er George Bush leider nicht mehr. Aber keine Sorge. Denn Bush-Bezwinger William Clinton wurde von Winston Lord („Skull and Bones“       1959), seinem stellvertretenden Außenminister, gut beraten.

Und nach der achtjährigen Bush-Pause sind aktuell zwei weitere „Skulls“ im Kabinett vertreten: Edward McNally als Chefberater im neugeschaffenen Heimatschutzministerium sowie Robert McCallum als stellvertretender Justizminister. McCallum ist sogar ein „Skull“-Jahrgangskamerad von George Bush junior.

Offenkundig hat die neue Offenheit der WASPs gegenüber andersethnischen Privilegsanwärtern die Position der weißen Efeu-Liga noch gestärkt. Denn bei den Vorwahlen der Demokraten im letzten Winter kamen mit John Edwards, Howard Dean, Joe Liebermann und John Kerry gleich vier Aspiranten auf das Präsidentenamt aus –

Sie haben es erraten: aus Yale.