Der Putsch gegen Präsident Roosevelt

Aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt: 1934 versuchten einflußreiche Kreise in den USA, Präsident Franklin Delano Roosevelt durch einen Putsch zu entmachten

Hermann Ploppa

SmedleyButler
Unbestechlich: General Smedley Butler

Vor vierzig Jahren kann der Film »Seven Days in May« in US-amerikanischen Kinos einen großen Erfolg landen. Mit Staraufgebot (Kirk Douglas, Burt Lancaster, Ava Gardner u.a.) führt der Thriller in eine imaginäre Wirklichkeit des Kalten Krieges. Präsident Lyman hat gerade einen nuklearen Abrüstungsvertrag im Kongreß absegnen lassen. Das paßt Generalstabschef Scott gar nicht. Er entwickelt einen Siebentageplan, in dem der US-Präsident gestürzt werden und die atomare Eskalation auf einen neuen gefährlichen Höhepunkt getrieben werden soll. Doch Generalskollege Casey meldet dem Präsidenten den Putschplan. Die Handlung für den Film liefert ein Buch, mit dem die Journalisten Fletcher Knebel und Charles Bailey 1962 die amerikanischen Bestsellerlisten anführen. Nur wenige Zeitgenossen ahnen, daß das Grundmuster der Geschichte auf einer wahren Begebenheit fußt.

Denn 1934 versuchten Wirtschaftsbosse und Börsenspekulanten, den Präsidenten der USA zu stürzen. Stein des Anstoßes war kein Abrüstungsvertrag, sondern die Wirtschaftsreform. Wie im Film alarmierte auch in der Wirklichkeit ein General der Marines den Präsidenten.

Am 15. Februar 1935 präsentierte der Kongreßausschuß für unamerikanische Umtriebe in seinem Abschlußbericht über die Putschpläne Beweise, »daß gewisse Individuen den Versuch unternommen haben, eine faschistische Organisation in diesem Land zu etablieren (…) Bewaffnete Streitkräfte zum Zweck der Errichtung einer Diktatur in faschistischer Manier oder einer Diktatur des Proletariats, oder aber einer Diktatur auf der Grundlage eines rassischen oder religiösen Hasses dürfen keinen Platz in diesem Land finden.«1

Die American Legion

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Der Mann, der die USA vor einer faschistischen Diktatur bewahrt, heißt Smedley Darlington Butler. Der Zwei-Sterne-General tat bis 1931 bei den Marines Dienst. Der drahtige Endfünfziger engagiert sich im Ruhestand für die Veteranen der zahlreichen Kriege, die die USA, neben dem Ersten Weltkrieg, gegen Nikaragua, die Philippinen, China oder Haiti führten. Der Träger zweier Ehrenorden, die ihm der Kongreß für besondere Tapferkeit verlieh, genießt bei den einfachen Rekruten ein außergewöhnliches Ansehen. Denn unablässig bearbeitet er Politiker und Wirtschaftsleute, mehr Geldmittel für die oftmals mittellosen oder verstümmelten Veteranen freizugeben. Im August 1932 kampieren Zehntausende verarmte Kriegsveteranen in Washington. Ihnen sind im Patman-Gesetz Geldmittel als Kompensation für ihren Kriegseinsatz in Aussicht gestellt worden. Präsident Hoover legt sein Veto ein. Als die Teilnehmer des sogenannten Bonus-March sich weigern, Washington zu verlassen, läßt Präsident Herbert Hoover General MacArthur die Veteranen mit Truppenverbänden verjagen.

Butler hat ein offenes Haus für jeden Veteranen. So ist es auch nicht ungewöhnlich, daß im Juli 1933 zwei Herren in seinem Landhaus vorsprechen, die sich als Kriegsveteranen zu erkennen geben. Wie Smedley Butler sind auch Bill Doyle und Gerald MacGuire in der Veteranenorganisation American Legion organisiert. Von anderen Veteranengästen bei Butler unterscheidet die beiden Herren, daß sie von einem Chauffeur gebracht werden und sich in feinem Zwirn gewanden. MacGuire ist Börsenmakler an der Wall Street. Nach allerlei Schmeicheleien kommen die Herren zur Sache: Butler soll bei American-Legion-Versammlungen eine Rede für die Beibehaltung des Goldstandards beim Dollar halten. Bei einem zweiten Besuch bringen die Herrschaften sogar einen ausformulierten Redetext mit, den Butler nur noch abzulesen braucht. So langsam wundert es Butler überhaupt nicht mehr, daß MacGuire überall auftaucht, wo der General sich öffentlich zeigt. Butler geht zum Schein auf die Avancen des neureichen Kriegsveteranen ein. Er fragt nach MacGuires Hintermännern. Dabei kommt heraus: Der Redetext für den Goldstandard stammt von dem Rechtsanwalt der Morgan-Bank, dem früheren demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Davis.

Da MacGuire andeutet, daß Butler für sein Engagement pro Goldstandard materiell belohnt wird, und die Versammlungen der American Legion durch bezahlte Claqueure beeinflußt werden sollen, fragt der General nach den Geldgebern. Bei Butler schrillen die Alarmglocken, als MacGuire an erster Stelle Colonel Grayson M.-P. Murphy outet. Denn Murphy ist Wall-Street-Börsenmakler, Direktor von Guaranty Trust, Anaconda Copper, Goodyear-Reifen und bei dem Stahlkonzern Bethlehem Steel. Zudem ist Murphy Mitglied in der antisemitischen Organisation Order of ?76.

Die American Legion war zunächst als parteiübergreifender Dachverband aller Kriegsveteranen gegründet worden. Jedoch hatten sich die Dynastien der DuPonts, der Mellons und Murphys in die American Legion eingekauft, majorisierten den Vorstand, und ganze Ortsverbände wurden als Schlägertruppen gegen streikende Arbeiter angemietet. Protestierende Farmer wurden geteert und gefedert. Veranstaltungen von jüdischen Künstlern wie Fritz Kreisler wurden gesprengt.2

1919_American_Legion_Parade

Die einfachen Veteranen in der American Legion (AL) nannten diesen inneren Führungszirkel spöttisch die »Royal Family«. Die »Königliche Familie« knüpfte enge Kontakte zu faschistischen Organisationen in Europa. Mussolini garnierte Murphy mit dem Titel »Kommandant der Krone von Italien«. Mussolini wurde später Ehrenmitglied der AL. AL-Funktionär Alvin Owsley schwadronierte 1922 in der Presse: »Was die Fascisti für Italien, das ist die American Legion für die USA.«3

Butler trifft auf einen weiteren Auftraggeber MacGuires. Den Besitzer der Singer-Nähmaschinenwerke, Robert Clark, kennt Butler noch aus dem China-Krieg. Der »Millionär-Leutnant« erklärt dem General seine Motive: Er hat Angst, sein Vermögen von 30 Millionen Dollar könnte dank Roosevelts Maßnahmen in einer Inflation wertlos werden. Eher investiere er davon 15 Millionen, um Roosevelt zur Kursänderung zu zwingen.

Roosevelts Tabubruch

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Präsident Roosevelt mit Enkeltochter

Wie Clark empfanden viele Millionäre im November 1932 Roosevelts Erdrutsch-Wahlsieg als existentielle Bedrohung. Franklin D. Roosevelt hatte mit den Stimmen der Industriearbeiter und der kleinen Farmer in den Südstaaten der USA eine komfortable Mehrheit gewonnen. Damit beendete der neue Präsident eine Ära, in der seit dem Bürgerkrieg der Geldadel der amerikanischen Ostküste ganz allein die Richtlinien der Politik bestimmte. Roosevelt bändigte die Börsenspekulationen durch entsprechende Sicherheitsgesetze und begann, mit staatlichen Investitionen Arbeitsplätze zu schaffen und eine Infrastruktur in den notleidenden Südstaaten aufzubauen, die den kleinen Leuten größere Planungssicherheit garantierte. Das notwendige Geld beschaffte die neue Regierung zum Teil, indem sie mehr Geldnoten in Umlauf brachte. Das war ein Tabubruch. Denn bislang galt ein fester Goldstandard. Der Geldadel fürchtete den Verlust seines Vermögens durch eine mögliche Inflation.

Während einige Oligarchen wie der Großbankier Averell Harriman in der Konsolidierung der Massenkaufkraft und in entkrampften (Wirtschafts-)Beziehungen zur Sowjetunion bislang ungeahnte Geschäftsperspektiven erkannten, stemmten sich Mellon, Morgan und DuPont mit allen erdenklichen Mitteln dagegen, ihre Macht mit Gewerkschaften und Farmerverbänden teilen zu müssen.

Roosevelt entkam vor seiner Amtseinführung am 4. März 1933 nur knapp einem Attentat. Am 15. Februar 1933 feuerte ein italienischer Einwanderer in Miami auf den gewählten Präsidenten. Da eine Frau im Publikum den Schützen zur Seite riß, traf die tödliche Kugel den Oberbürgermeister von Chicago, der neben Roosevelt saß.

Einige Oligarchen hatten schon in den zwanziger Jahren Gesellschaftsmodelle ausgetüftelt, die in eine ganz andere Richtung zielten als Roosevelts New-Deal-Politik. Die Rockefeller- und die Carnegie-Stiftung entwarfen Konzepte für die Neuzüchtung des nordischen Herrenmenschen. Eugenik-Gesetze sollten für ein krankheitsfreies, immer arbeitsfähiges »Humankapital« sorgen.4 Ford und General Motors wiederum konstruierten ihre Fabrikanlagen mit den anliegenden Arbeitersiedlungen als straff formierten Staat im Staate mit eigenen Geheim- und Sicherheitsdiensten.

Faschismus als Gegenmodell

Für diese Kräfte war Italien das Gelobte Land. Wirtschaftsjurist McCloy beriet den »Duce« und akquirierte gigantische US-Kredite für Italien.5 Das Trauma einer »linken« Roosevelt-Regierung mit dem jüdischen Finanzminister Morgenthau führt bei den Ostküstenoligarchen zu einer Trotzreaktion. Die Börsen- und Devisengesetze des »Krüppels im Weißen Haus« werden mit Haßtiraden der Presse gekontert. Gepriesen wird der Mussolini-Faschismus als positives Gegenmodell. Im Juli 1934 z.B. bringt die Wirtschaftszeitschrift Fortune aus dem TIME-Life-Konzern von Henry Luce6 als Schwerpunktthema »Mussolini und das italienische Wirtschaftswunder«. Chefredakteur Laird S. Goldsborough schreibt im Editorial dieser Ausgabe: »Der gute Journalist muß anerkennen, daß der Faschismus gewisse altbewährte Werte der Rasse bietet, ob das nun dem Zeitgeist paßt oder nicht. Zu den Werten zählen wir: Disziplin, Pflichtgefühl, Mut, Ruhm und Opfer.«

So kommt es, daß General Butler Ende 1933 seinen treuen Schatten MacGuire für acht Monate los ist. Denn MacGuire soll für DuPont und Morgan auf einer Europareise erkunden, welche paramilitärische Terrororganisation am ehesten als Blaupause für eine entsprechende faschistische Massenorganisation in den USA zu gebrauchen ist. Später gelangt der Untersuchungsausschuß des Kongresses in den Besitz der Briefe, die MacGuire an Clark, DuPont und Murphy geschickt hat. MacGuire berichtet von seinen Besichtigungen der deutschen SA, der italienischen Fascisti und der französischen Croix de Feu. Am besten eigne sich für die Adaption in den USA, so resümiert MacGuire, die Croix de Feu. Deren Struktur sei so flexibel, daß die Feuerkreuzler im Ernstfall das Zehnfache ihrer Dauermitgliedschaft mobilisieren könnten, also fünf Millionen Männer.

Undercover-Methoden

Das erzählt MacGuire im August 1934 auch Butler. Der heuchelt Sympathie. Und MacGuire steigert: Roosevelt sei mit seiner Arbeit überfordert. Er brauche eine Schutzgarde, um seine Politik durchzusetzen. Auch müsse Roosevelt einen neuen Superminister an seine Seite bekommen, der die organisatorische Hauptarbeit macht. Roosevelt könne sich dann auf repräsentative Aufgaben konzentrieren. MacGuire läßt nun die rhetorischen Hüllen fallen: Wie wäre es, wenn General Butler selber die Rolle des neuen Superadministrators im Weißen Haus übernähme? Um die sozialen Belange der Veteranen zu vertreten, wäre es am besten, wenn unter Butlers Führung ein Marsch auf Washington von hunderttausend Alt-Rekruten stattfände. Butler bittet MacGuire um einen Beweis, daß seine Leute wirklich Einfluß haben. MacGuire: Ich mache zwei Voraussagen, die in vier Wochen eintreffen. Erstens, der jetzige Chefadministrator Hugh Johnson von Roosevelts National Recovery Agency wird dann gefeuert sein. Zweitens, eine neue Superorganisation wird gegründet, die das politische Steuer in den USA nach ganz rechts herumreißt.

Vier Wochen später ist Hugh Johnson seinen Job los. Und die neue Superorganisation heißt: American Liberty League (ALL). Kassenwart ist Grayson Murphy, Hauptsponsor Robert Clark. Im Vorstand findet sich die Crème der US-Hochfinanz: J. P. Morgan, DuPont, Andrew Mellon, William S. Knudsen (General Motors), Pew (Sun Oil), um nur einige zu nennen. Assoziiert sind der ALL Terrorgruppen wie Sentinels of the Republic, Committee to Uphold the Constitution sowie die Silver Shirts. Der General ist nun entschlossen, möglichst bald den Präsidenten zu warnen. Doch vorher verständigt er den investigativen Journalisten Paul Comley French. Dieser kontaktiert den Kreis um MacGuire und kommt durch Undercover-Methoden zu ähnlichen Schlüssen wie Butler. Auch der Vorsitzende des unabhängigen Verbandes Veterans of Foreign Wars, James van Zandt, war bereits von MacGuire angesprochen worden.

Doch bevor Butler Roosevelt warnen kann, bittet ihn der Kongreßausschuß gegen unamerikanische Umtriebe um Zeugenaussagen in eben dieser Sache. Der später durch Senator Joseph McCarthy in Verruf geratene Kongreßausschuß war bereits in den dreißiger Jahren aktiv. Damals ermittelte das HUAC7 gelegentlich auch gegen Rechtsextreme. Die Ausschußvorsitzenden Samuel Dickstein und John McCormack haben bereits von dem geplanten Putsch gehört und ein Verfahren eröffnet.

Dickstein und McCormack wollen nicht nur MacGuire peinlich befragen. Auch vor 16 mächtigen Leuten im Hintergrund wollen sie nicht haltmachen. Als Butler am 20. November vor dem Ausschuß aussagt, veröffentlicht der Philadelphia Record zeitgleich die Enthüllungsgeschichte von Paul Comley French. Andere Zeitungen übergehen das Thema oder versuchen, Butler zu diskreditieren, allen voran die New York Times. Am 22. November fühlt sich der New Yorker Oberbürgermeister Fiorello La Guardia, der mit der Sache gar nichts zu tun hat, bemüßigt zu sagen, das mit dem Putsch sei ein Scherz gewesen, den auf einer Cocktailparty jemand dem einfältigen Butler gesteckt habe. Seitdem wurde die Angelegenheit in der Mainstream-Presse nur noch als »Cocktail-Putsch« veralbert.

Die Justiz blieb untätig

Das HUAC macht die Sache noch schlimmer. Denn am 26. November legt er einen Zwischenbericht vor. Der beginnt mit dem Satz: »Dieser Ausschuß hat nicht genug Beweise, die eine Vorladung von Leuten wie John Davis, General Hugh Johnson, General James G. Harbord, Thomas W. Lamont (DuPont ? H. P.), Admiral William S. Sims oder Hanford MacNider rechtfertigen würde.« Zugleich betont der Ausschuß, es gäbe nicht die geringste Veranlassung, die beeideten Aussagen Butlers zu bezweifeln. Butler belastet aber u. a. gerade die oben genannten Herren.

Kolportiert wird überall nur der erste Satz. Zum entscheidenden Hieb holt das Time-Magazin aus dem Luce-Presseimperium am 3. Dezember 1934 aus. Titelgeschichte des Hefts: »Putsch ohne Putschisten«. Die Aussagen Butlers werden persifliert: General Butler reitet auf einem weißen Pferd voran, gefolgt von 500 000 hörigen Veteranen, auf dem Marsch nach Washington. Lastzüge von Remington und DuPont liefern Waffen und Munition. In einer schicken Limousine folgen J.P. Morgan und Thomas Lamont. Dann Time-Magazin im Ernst: Schon lange habe kein Militäroffizier mehr so viel Schaum geschlagen wie Butler, der sich erst kürzlich in einer Ansammlung von Juden mit großen Sprüchen hervorgetan habe. Und da Time weiß, daß die Sprache der Bilder oft mehr bewirkt als Texte, sind drei launige Fotos beigefügt. Bild 1: Ein etwas blöde dreinschauender Butler, der sich am Ohr kratzt. Text dazu: »Er war taub für Diktaturen«. Bild 2: Bankier J.P. Morgan, gütiger Patriarch. Text: »Mondschein lieferte die Belustigung«. Bild 3: Grayson Murphy als zackiger Kriegsheld uniformiert. Text wiederholt seine Aussage: »Alles Phantasie!«

Tatsächlich behelligt der Dickstein/McCormack-Ausschuß keinen größeren Magnaten aus dem Hintergrund mit Vorladungen. Am 3. Januar 1935 ist die letzte Sitzung, und am 15. Februar wird der Abschlußbericht vorgelegt. Befund Nummer eins: Es ist bewiesen, daß einflußreiche Kreise eine faschistische Massenorganisation in den USA aufbauen wollten. Zweitens: Eine Beziehung zu ausländischen faschistischen Organisationen konnte nicht ermittelt werden. Drittens, eher handwarm: Die faschistische Organisation diente dem Zweck, eine Diktatur in den USA zu errichten. Viertens: Butlers, Van Zandts und Frenchs beeidete Aussagen sind glaubwürdig.

Durch die Veralberungskampagne der großen Presseorgane war das allgemeine Interesse an dem Thema abgeflaut, und die Artikel über den Abschlußbericht begrub man auf den hinteren Seiten der Tageszeitungen. Eher zufällig entdeckt John Spivak, Redakteur der linken Zeitung New Masses, daß der Abschlußbericht nur in gekürzter Form veröffentlicht worden ist. Den Kürzungen zum Opfer fiel z.B. die Zeugenaussage von French, daß MacGuire das Geld für einen faschistischen Putsch von dem Morgan-Anwalt John Davis und von der National City Bank erhalten und daß der Remington-Konzern die Waffen bereitstellen würde. Nach solchen gravierenden Befunden durch den Kongreßausschuß wäre eigentlich eine Anklageerhebung durch das Justizministerium wegen Hochverrat fällig gewesen. Doch die Justiz blieb untätig.

Der Fall hinterläßt einen schalen Nachgeschmack. Die Hintergründe der dilettantischen Putschversuche wurden nie ganz aufgeklärt. Das liegt auch an dem sphinxhaften Verhalten Roosevelts gegenüber seinen Feinden an der Wall Street. Wenn Roosevelt seine Wirtschaftserholung schnell zum Erfolg führen wollte, konnte er sich gewiß keinen gewaltsamen Machtkampf mit den Eliten leisten. Die Putschisten waren bloßgestellt. Das mußte ausreichen. Als Roosevelt 1936 triumphal wiedergewählt wurde, löste sich die American Liberty League auf. Die rechten Eliten begannen, systematisch in die Regierung einzusickern und an der profitablen Aufrüstung zu verdienen.

Smedley Butler verbiß sich in eine radikalpazifistische Position und ging an dem unauflösbaren Dilemma, ob man jede Aufrüstung ablehnen oder aber gegen die Nazis militant vorgehen solle, zugrunde. Als die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 in Frankreich einmarschierte, starb Butler, noch nicht einmal sechzigjährig.

Anmerkungen

1 Über die Putschpläne gibt es ein Buch: Jules Archer: The Business Plot to Seize the White House. New York 1973

2 George Seldes: Facts and Fascism. New York 1943, S. 109 ff

3 Alvin Owsley war in den 30er und 40er Jahren US-Botschafter in Irland und Dänemark

4 Edwin Black: The War against the Weak. New York/London 2004

5 Walter Isaacson/Evan Thomas: The Wise Men. New York 1988. S.119ff

6 Henry Luce gehörte mit Oligarchen wie Harriman oder Prescott Bush der ultra-elitären Studentenverbindung Skull & Bones an. Siehe: Hermann Ploppa: Herrenmenschenklub. jungeWelt 18.5.04, S.10f

7 HUAC: House Un-American Activities committee

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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