Assange und der verkommene Rechtsstaat

Der Umgang mit Julian Assange als Angeklagten lässt einige Zweifel an einer noch rudimentär vorhandenen Rechtsstaatlichkeit aufkommen

Hermann Ploppa

Ich weiß nicht, wie es Ihnen ergangen ist.

AssangeRausschmiss

Die Bilder von der Festnahme des Wikileaks-Begründers Julian Assange durch britische Kriminalbeamten (deren Zugehörigkeit zu einem bestimmten Dienst nicht leicht zu erkennen ist) haben mich eiskalt auf meinem Stuhl erwischt. Die Würdelosigkeit und die Respektlosigkeit, ja geradezu die höhnisch-sadistische Art und Weise der Sistierung des australischen Journalisten Assange durch die Sicherheitskräfte bewirkte bei mir einen tiefen Schock. Ich wollte zur gleichen Zeit weinen und mein Magen zog sich zusammen. Meinerseits eine Mischung aus hilflosem-Zuschauen-müssen, blankem Entsetzen und einem tief gehenden Ekel vor diesen staatlichen Fleischergesellen.

Assange: in seinem Blick endlose Verzweiflung, dass es nun zum größten annehmbaren Unglück kommt. Körperliche Schwäche. Verwahrlost so wie wir Assange noch nie gesehen haben. Ein schöner Mann, der immer sehr auf sein Äußeres geachtet hatte, halb in Sitzstreikhaltung aus der ecuadorianischen Botschaft geschleppt. Krank. Ein hilfsbedürftiges Häuflein Elend wird grob in den Transporter gekippt wie ein Müllsack.

Einige unserer Leser werden sich gewiss noch erinnern, wie es sich eigentlich gehört für einen echten Rechtsstaat: der Angeklagte genießt den Respekt der Unschuldsvermutung. So lange jemand nicht rechtskräftig verurteilt ist, ist ihm das volle Maß des Respekts auch der Sicherheitsorgane zu garantieren – immer gesetzt der Fall, es handelt sich nicht um einen gemeingefährlichen Raubmörder. Als (vorgeschobener) Haftgrund wird Assange ein Nicht-Erscheinen zu einem gerichtlichen Termin zur Last gelegt. Dahinter steht der – nicht aufgeklärte Vorwurf eines Sexualverkehrs ohne Kondom durch eine schwedische Staatsbürgerin.

Daraus ergäbe sich als rechtsstaatliche Behandlung des Angeklagten Julian Assange: die Polizei betritt das Gebäude der ecuadorianischen Botschaft und bittet Herrn Assange, mit ihnen mitzukommen zu einem richterlichen Untersuchungstermin. Da Assange die Ausweglosigkeit seiner Lage bewusst ist, wäre er wohl unter zivilisierten Begleitumständen ohne Widerstand mit den Beamten mitgegangen. Er wäre sodann, eingerahmt von den beiden Polizeibeamten, in einem PKW mit zum Gericht gefahren. Das ist eigentlich so üblich – in einem Rechtsstaat. Dazu noch der gute alte römische Grundsatz: in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten.

Ein solches Bild rechtsstaatlicher Normalität war jedoch seitens der englischen Strafverfolger und der interessierten Politiker gar nicht erwünscht. Vielmehr wollen sie das Bild eines üblen Kriminellen erfinden, der die Solidargemeinschaft der Steuerzahler viel Geld gekostet habe: „Julian Assange ist kein Held und niemand steht über dem Gesetz. Er hat sich jahrelang vor der Wahrheit versteckt.“, so twitterte der britische Außenminister Jeremy Hunt.

Nun wissen wir ja alle, dass sich hinter dieser fadenscheinigen schwedisch-britischen Haftgrund-Konstruktion das Interesse der Verfolgungsbehörden der USA abzeichnet. Die US-amerikanischen Staatsanwälte wollen Assange in ihre Hände bekommen, weil Assange mit der Whistleblowerin Chelsea Manning zusammen Staatsgeheimnisse der US-Regierung an die Öffentlichkeit gezerrt habe. Die USA wird seit 1946 von einer Geheimregierung gesteuert, dem Nationalen Sicherheitsrat (National Security Council), der keiner Instanz dieser Welt gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Ersichtlich haben Manning und Assange jedoch keine Geheimnisse ans Licht der Öffentlichkeit gebracht, die der Sicherheit der USA in ihrer Gesamtheit hätten schaden können.

Als weiterer Anklagepunkt schwebt im Hintergrund der nur schwer zu verifizierende Vorwurf, Assange habe mit seiner Aufklärungsarbeit letztlich „den Russen“ in die Hände gespielt. Das ist selbstverständlich kein irgendwie juristisch verwertbarer Vorwurf, sondern blanke Propaganda – was natürlich auch die US-Juristen auch nur zu genau wissen.

Nun wird gerade versucht, die Empörung der Öffentlichkeit abzuschwächen. Assange werde ja „nur“ eine Haftstrafe von fünf Jahren abzubrummen haben. Und dann kursieren Fotos von Assange, aus dem Polizeiauto feixend, verschmitzt augenzwinkernd. Alles also halb so schlimm?

Woher bezieht eigentlich Assange so plötzlich wieder Zuversicht und Humor im Gefängnisauto? Der Mann ist sieben Jahre nicht aus der ecuadorianischen Botschaft rausgekommen. Die letzten zwei Jahre hat er ohne Internet-Zugang und ohne nennenswerte soziale Kontakte in einer Art von Isolationshaft zubringen müssen. Er hat die ganze Zeit kein Sonnenlicht aufnehmen können. Seine seelischen Qualen müssen unermesslich sein.

Sollen die Bilder vom feixenden Assange den Image-Schaden, der den britischen Behörden durch das schockierende Festnahme-Video entstanden ist, wieder gut machen?

PenceMorenoMoralisch überzeugender wird die Situation auch nicht, wenn man die Geschehnisse ins Visier nimmt, die die Londoner Ereignisse im Hintergrund bestimmt haben. Die Regierung Ecuadors, die Assange so lange Asyl gewährt hat, entzog ihm nicht nur relativ plötzlich die ecuadorianische Staatsbürgerschaft. Sie „lud“ vielmehr die Polizei Großbritanniens ein, Assange in ihrer Botschaft zu verhaften. Dafür erkannte man dem Australier von gestern auf heute das Asyl ab. In Ecuador wurde nämlich im Jahre 2017 das Präsidentenamt vom linken Rafael Correa auf den eher rechts stehenden Lenin Moreno übertragen. Moreno gerät gerade in Schwierigkeiten, weil ihm Korruption im Ölgeschäft des Landes zur Last gelegt wird. Er benötigt dringend Erfolge, um politisch überleben zu können. Da kommt es gerade passend, dass der Internationale Währungsfond Ecuador einen Megakredit in Höhe von 4.2 Milliarden Dollar zugesagt hat. Nun wird Moreno unter anderem von seinem Amtvorgänger Rafael Correa vorgeworfen, er habe diesen Megakredit durch die massive Fürsprache der Regierung der USA erlangen können. Im Gegenzug habe er Julian Assange fallen gelassen und damit, vermittelt über die Verhaftung in Großbritannien, den Weg frei gemacht für den großen Schauprozess gegen Assange in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Also: wenig appetitliche Verquickungen dreier Staaten und einer internationalen Finanzorganisation, und im Hintergrund zudem dubiose Geschäftstätigkeiten von Ölkonzernen: wenig schmeichelhafte Machenschaften kommen an das Tageslicht, die das Ansehen der westlichen Wertegemeinschaft langfristig nicht gerade anheben werden.

Mein Vorschlag also an die britische Administration: machen Sie den Ihnen erlittenen Image-Schaden einfach wieder gut, indem Sie Julian Assange unverzüglich frei lassen, ihn in ein Land seiner Wahl ausreisen lassen, und ihm vorher noch einen sechsstelligen Geldbetrag als Wiedergutmachung überweisen.

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Venezuela: Zünden Maduros Polizisten wirklich Lebensmittelkonvois an?

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Beflissene US-Jünger in Deutschland schäumen über eine angebliche Inbrandsetzung von humanitären Hilfskonvois an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze durch venezolanische Ordnungskräfte. Erst mal durchatmen und überlegen: Skripal? Giftgas is Syrien? Husseins Massenvernichtungswaffen, präsentiert von Colin Powell vor der UN-Vollversammlung? Irakische Soldaten haben Babies aus Brutkästen gerissen und auf den Boden geschleudert? Skepsis wäre angesichts der Story mit den von venezolanischen Soldaten angezündeten LKWs wohl eine Minmalanforderung an gebildete Menschen.
Die jetzt zusammengetragenen Materialien zeigen: die LKW stehen auf der Brücke. Die venezolanischen Polizisten stehen in passiver Haltung, verdeckt weit zurück auf venezolanischem Boden und schützen sich mit Plexiglasschilden. Die Hilfs-LKWs werden umzingelt von so genannten „Guarimberos“. Das sind sozusagen die Antideutschen von Lateinamerika: maskierte, vermummte Krawallmacher, die für die USA und Guaido vor Ort die Dreckarbeit machen. Sie werden, das geht aus dem Material in dem folgenden englischsprachigen Artikel hervor, von Preseleuten beim Anfertigen von Moilotowcoctails gefilmt. Telesur hat zudem dankenswerterweise eine Drohne über der Brücke fliegen lassen, so dass wir auch aus der Luft ganz gut sehen können, dass die Randale von den Guarimberos ausgeht. An einem braislianisch-venezolanischen Grenzübergang wiederum hat das Internationale Rote Kreuz Typen entdeckt, die als Rotkreuzhelfer verkleidet ihr Unwesen treiben.
Details und Material in diesem Artikel

 

Offener Brief an das Volk der USA von Nicolás Maduro, Präsident von Venezuela

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Der Präsident von Venezuela, Nicolás Maduro, hat sich am 10. Februar in einem offenen Brief an die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika gewandt:

Wenn mir etwas vertraut ist, dann ist es die Welt der einfachen Bevölkerung, zu der auch Sie gehören. Ich komme aus der einfachen Bevölkerung. Ich kam zur Welt und wuchs auf in einem ärmlichen Stadtteil von Caracas. Ich entwickelte mich inmitten der erhitzten Auseinandersetzungen der Bevölkerung und der Gewerkschaften in einem Venezuela, das tief verstrickt war in soziale Ausgrenzung und Ungleichheit.

Ich bin kein Großunternehmer. Ich bin nur ein einfacher Arbeiter mit einem gesunden Urteilsvermögen und einem Mitgefühl. Und heute genieße ich das Privileg, Präsident eines ganz neuen Venezuela sein zu dürfen. Einem Venezuela, das auf den Prinzipien der Integration und sozialen Gleichheit beruht, seit 1998 auf den Weg gebracht durch Kommandant Hugo Chavez und inspiriert durch das Erbe Simon Bolivars.

Wir leben in historischen Zeiten. Dieses sind Tage, an denen sich die weitere Zukunft unserer Länder entscheidet: Krieg oder Frieden? Ihre politischen Vertreter in Washington wollen an ihre Grenzen denselben Hass bringen, den sie schon nach Vietnam gebracht haben. Sie planen eine Invasion und eine Intervention in Venezuela. Und das im Namen von Demokratie und Freiheit, so wie sie es damals auch schon sagten. Aber so ist es nicht. Diese Geschichte, dass sich in Venezuela eine Clique widerrechtlich Macht angeeignet hat, ist genauso unzutreffend wie die Geschichte von den Massenvernichtungswaffen im Irak. Dies ist eine falsche Behauptung, aber sie kann verheerende Folgen für unsere gesamte Region haben.

Venezuela ist ein Land, in dem dank der Verfassung von 1999 die Möglichkeiten zur Teilhabe der Bevölkerung an der vorbildlichen Demokratie wesentlich erweitert worden sind. Ohne Beispiel in der Vergangenheit, ist Venezuela heute eines der Länder mit der höchsten Anzahl von Wahlen in den letzten zwanzig Jahren. Vielleicht gefällt Ihnen unsere Weltanschauung nicht, oder die Art wie wir auftreten. Aber es gibt uns, und wir sind Millionen.

Ich richte diese Worte an das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika, um vor den schwerwiegenden Folgen und der Gefahr zu warnen, die daraus entstehen, dass eine gewisse Fraktion im Weißen Haus die Invasion Venezuelas vorantreiben will. Das hat unvorhersehbare Folgen für mein Land und für die gesamte amerikanische Region. Präsident Donald Trump beabsichtigt auch, die ehrlichen Gesprächsangebote von Uruguay und Mexiko, unterstützt von der Karibischen Gemeinschaft, zugunsten einer friedlichen Lösung und Dialog zugunsten Venezuelas zu stören. Wir  wissen, dass wir uns für das Wohl Venezuelas zusammensetzen und miteinander sprechen müssen, denn den Dialog zurückzuweisen bedeutet, den Weg der Stärke einzuschlagen. Erinnern Sie sich bitte an die Worte von John F. Kennedy: „Lass uns niemals aus einer Position der Furcht heraus verhandeln. Sondern habt keine Furcht zu verhandeln.“

Fürchten jene, die nicht verhandeln wollen, die Wahrheit?

Die politisch motivierte Intoleranz gegenüber dem bolivarischen Modell sowie das Verlangen nach unseren gewaltigen Ölvorkommen, Mineralien und andere Reichtümern, hat eine internationale Koalition unter Führung der Regierung der USA dazu veranlasst, den schwerwiegenden Irrsinn zu begehen, Venezuela anzugreifen unter dem vorgeschobenen Vorwand einer nicht existierenden humanitären Krise.

Das venezolanische Volk hat bereits schmerzlich soziale Verletzungen erlitten, verursacht durch eine Handels- und Finanzblockade, die noch erschwert wurde durch die Enteignung und den Raub unserer finanziellen Mittel und Guthaben, die in Ländern deponiert waren, die sich jetzt diesem irrsinnigen Angriff angeschlossen haben.

Aber wir beharren voller Stolz, dank unseres Systems der sozialen Absicherung und der direkten Beachtung der am meisten verletzlichen Teile unserer Gesellschaft, ein Land zu bleiben mit einem hohen Index der menschlichen Entwicklung und einer geringen sozialen Ungleichheit in ganz Amerika.

Die Bevölkerung der USA muss sich darüber im Klaren sein, dass diese vielschichtige Aggression ausgeführt wird in Erwartung einer Straflosigkeit und einer eindeutigen Verletzung der Charta der Vereinten Nationen, die ausdrücklich die Androhung oder Ausübung von Gewalt ächtet, unter vielen anderen Grundätzen und Bestimmungen für den Frieden und friedliche Beziehungen zwischen Nationen.

Wir wollen weiterhin Geschäftspartner des Volkes der Vereinigten Staaten sein, wie wir es immer in unserer Geschichte gewesen sind. Ihre Politiker in Washington sind andererseits gewillt, ihre Söhne und Töchter zum Sterben in einem absurden Krieg zu schicken, anstatt das geheiligte Recht des venezolanischen Volkes auf Selbstbestimmung und Schutz seiner Souveränität zu respektieren.

Wie Sie, das Volk der Vereinigten Staaten, sind auch wir Venezolaner Patrioten. Und wir werden unser Land verteidigen mit ganzem Herzen.

Heute ist Venezuela geeint in einer einzigen Stimme: wir verlangen die Beendigung der Aggression, die unsere Wirtschaft ersticken und unser Volk sozial aushungern will. Und wir fordern auch die Einstellung der Bedrohung durch eine militärische Intervention in Venezuela.

Wir appellieren an das gute Gewissen der amerikanischen Gesellschaft, Gefangene ihrer eigenen Führer, mit uns zu zusammen Frieden zu fordern. Lasst uns ein einiges Volk sein gegen Kriegshetze und Krieg.

Lang leben die Völker Amerikas!

 

Nicolás Maduro,

Präsident der Bolivarischen Republik von Venezuela

 

Übersetzung: Hermann Ploppa

 

 

Friedrich Merz zurück im Rampenlicht

„Habe nicht die Absicht, in die Politik zurückzukehren.“

 

Der frühere Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion will jetzt Vorsitzender der Christdemokratischen Partei werden. Drängt jetzt Black Rock in die Schaltstellen der Politik?

 

Hermann Ploppa

 

Also, das haben wir ja noch nie erlebt. Da sagt ein ehemaliger Politiker, dass er der Politik ein für alle Adé sagt. Um dann mit Volldampf ins Zentrum politischer Macht vorzustoßen. Noch-Kanzlerin Angela Merkel hatte im Jahre 2009 dem damaligen Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz klar gemacht, dass für sie beide in dem politischen Raumschiff Berlin kein Platz sei. „Angie“ sorgte dafür, dass der Zweimetermann Merz in die politische Versenkung verklappt wurde. Und nun ist der Jurist aus Brilon wieder da. Hat sich selber als Kandidaten für den CDU-Vorsitz ins Gespräch gebracht. Die Politik-Abstinenz hat ihm gut getan. Ein sichtlich erholter Merz präsentiert sich den Fotoblitzen der Presse. In den letzten neun Jahren ist er nur stärker geworden; gesundheitlich, vernetzungstechnisch und, nicht zu vergessen: finanziell.

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Skull and Bones -eine erlesene Elite

Aus dem Archiv: 2004 – George Bush oder Kerry? Skull & Bones! Immer noch aktuell, darum wieder aufgelegt.

Wer wird nächster Präsident der Vereinigten Staaten? Ob Bush, ob Kerry: die rechte Burschenschaft „Skull and Bones“ regiert mit im Oval Office.

 

von Hermann Ploppa

Bevor im nächsten November (i.e. 2004) die Wahlmänner für die Kür des Präsidenten der USA bestimmt worden sind, steht ein Gewinner schon fest.

Fest steht nämlich, daß die ultra-elitäre studentische Verbindung „Skull and Bones“ den alten und den neuen Präsidenten aus ihren Reihen rekrutieren wird. „Skull and Bones“ ist einer von sieben studentischen Geheimbünden auf dem Campus der Yale-Privatuniversität in der altehrwürdigen Ostküstenstadt New Haven im beschaulichen Bundesstaat Connecticut.

Können Sie sich vorstellen, wie beide George Bush (Senior wie Junior) als auch der drahtige John  Kerry sich nackt im Schlamm sühlen? Wie hochrangige Zelebritäten der USA in einem Sarg liegen, sexuelle Eskapaden vor ihren Corpsbrüdern beichten und dann auch noch auf allen Vieren zu einer als „Don Quichote“ verkleideten Gestalt krauchen, um deren rote Puschen zu küssen? Unglaublich aber wahr. Auf diese Weise werden viele mächtige Alphatiere der USA initiiert als unkündbare Mitglieder der „Skulls“. John Kerry wurde 1966 initiiert, George Bush II. im bewegten Jahre 1968.

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George Bush II. und seine Amtsvorgänger

Immer mehr Bürger der USA sind beunruhigt über die Zusammenballung von exekutiver Machtbefugnis in den Händen einer kleinen exklusiven Elitegruppe. Jedes Jahr rekrutieren die „Skulls“ gerade mal 15 neue Mitglieder, deren weiterer Karrieregang von den früheren „Skulls“-Jahrgängen betreut wird. Die Alten Herren heißen „Patriarchen“, und es gibt bei etwa 200 Millionen US-Bürgern gerade mal 600 lebende „Skull and Bones“-Mitglieder. Die Irritation der US-Wähler verstärkt sich noch dadurch, daß – so hört man – die Neophyten bei der exklusiven Yale-Bruderschaft einen unverbrüchlichen Treueid auf den Orden schwören müssen. Vor der Loyalität zu Vaterland, Religion und Familie rangiert die Verpflichtung gegenüber den geheimen Logenbrüdern. US-Bürger fragen sich: wie soll so einer den Eid auf das Gemeinwohl der Vereinigten Staaten schwören können?

Um zu begreifen, daß die obskuren Riten dieser nudistischen Logenbrüder keinen puren satanistische Mummenschanz gelangweilter Studis darstellen, sondern tiefe Spuren im Treibsand der US-Gesellschaft hinterlassen, müssen wir uns einige Besonderheiten des US-amerikanischen Bildungssystems anschauen.

Sicher kann man in den USA immer noch vom Tellerwäscher zum Millionär avancieren. Besser ist es jedoch, die richtigen Eltern ausgesucht zu haben. Der Weg in die Spitzenämter von Wirtschaft, Politik und Kultur führt über die privaten Elite-Universitäten der Efeu-Liga, der Ivy League. Während die staatlichen Universitäten ums nackte Überleben ringen, schwimmen die acht berühmten Privat-Unis in unvorstellbaren Reichtümern. Harvard, der Tabellenführer, verfügt über ein Vermögen von 19 Milliarden Dollar. Die New Yorker Columbia-Universität ist der zweitgrößte Grundstückseigentümer im Bundesstaat New York.

Damit nicht gewöhnliche Sterbliche die komfortable Ruhe der studierenden Sprößlinge aus den edlen neuenglischen Ostküstenfamilien der Cabot Lodge, Coolidge, Forbes oder Harriman stören, sind die Studiengebühren für jedes absolvierte Jahr so preiswert wie ein guter Mittelklassewagen. In Yale kostet das Studienjahr 28.000 Dollar. Das verschulte Curriculum währt drei Jahre bis zum Unter-Examen. Es folgt ein Vorbereitungsjahr zum Vollexamen.

Die acht Efeu-Unis sind bevölkert von Studentenbünden, die sich gezielt Seilschaften zusammensuchen für das spätere gemeinsame Vorpreschen in die Chefetagen. Da geistern durch Yale neben den „Skull and Bones“ die „Scroll and Key“, „Book and Snake“, „Wolf’s Head“, „Eliahu“ oder „Berzelius“. Verglichen mit diesen Pfründeverteilungsorden muten deutsche Burschenschaften geradezu sozialistisch-egalitär-demokratiesüchtig an. Deutsche Corporationen „keilen“ fast jeden Studienanfänger, der in der Lage ist, einen Bierhumpen festzuhalten.

Nicht so die „Skull and Bones“. Die Orden-eigenen Talentscouts beobachten auf dem Campus genau, wer in den drei Jahren bis zum Undergraduate vielversprechende Aktivitäten gezeigt hat. So ist ihnen auch der unerträglich ehrgeizige John Forbes Kerry aufgefallen. Informell lotet man aus, ob der Kandidat überhaupt interessiert ist an einer Initiation.

Wenn die 15 Initianten für den Examensjahrgang zusammengestellt sind, kann das satanistische Ritual der Initiation stattfinden. Das Skulls and Bones- Stammhaus in New Haven wird von den Skulls „Tomb“ genannt, i.e. das Grab. Im Foyer grimassiert aus einer Glasvitrine der Totenschädel des Apachenhäuptlings Geronimo. Überall Nekrophilia: Knochen, Knorpel, Schädel. Die Initianten müssen sich erst einmal im ummauerten efeuberankten Hof nackt im Schlamm sühlen. Dann werden sie in Särgen zum Sanctum Sanctorium getragen. Dort empfangen sie die älteren Skulls-Mitglieder mit infernalischem Geschrei. Die Neulinge werden aus den Särgen gekippt, müssen einige Schläge über sich ergehen lassen. Vor ihnen steht ein Mann, der als Teufel verkleidet ist. Ein anderer mimt den Papst. Und ein Dritter spielt den Don Quichote. Quichote hat seinen Fuß auf einen Totenkopf gestützt. Nach viel Schnickschnack schlägt „Don Quichote“ den Neuling zum Ritter. Der Neue schwört dem Orden bedingungslose Loyalität.

Die 15 Neulinge werden in ihrem Examensjahr auf das Intimste zusammengeschweißt. Zweimal die Woche treffen sie sich im Tomb. Reihum legen sie sich nackt in einen Sarg und erzählen ihren Corpsbrüdern, was sie in ihrem vierundzwanzigjährigen Leben schon alles an sexuellen Eskapaden angestellt haben. Sie müssen alles beichten. Das schweißt zusammen. Auf diese Weise wird ja auch verhindert, daß ein Skulli abschwören und in der Öffentlichkeit über den Geheimbund ausplaudern könnte. Eine gezielte Lancierung von sexuellen Ausrutschern in der Presse wäre das Karriere-Ende.

Aber Folgsamkeit wird reich belohnt. Wer das Examen gemacht hat, erhält aus der prallen Schatulle der Skulls eine berufliche Starthilfe von 15.000 Dollar. Am wichtigsten ist aber, daß sich etablierte Alte Herren– die Patriarchen –  aus den Reihen der Skull and Bones um den Frischling kümmern und ihn in gut bestallte Pöstchen hieven.

Der Skull and Bones-Orden gehört einer eingetragenen Firma, der Russell Trust Association. Diese ist dem Bundesstaat Connecticut so wichtig, daß er 1943 per Gesetz die Russell-Gesellschaft von der Berichtspflicht gegenüber dem Staat entband. Die Sippe des Ordensstifters William Huntington Russell machte ein enormes Vermögen dank des Opiumhandels mit China. Der den Skull and Bones-Orden wurde 1833 geründet und erhielt als Emblem die Piratenflagge mit dem Totenschädel und den gekreuzten Knochen.

Das Opiumgeschäft wurde in Partnerschaft mit der englischen Ostindienkompanie betrieben. Die reichen Ostküstenfamilien fühlten sich den englischen Aristokraten mehr verbunden als der egalitären USA-Verfassung eines Thomas Jefferson. Sie näselten im Oxford-Sound und konspirierten mit den Engländern in Koalitionen wie der Essex Junto oder der Hartford Convention von 1815. 1876 nimmt ein Skull and Bones-Mitglied entscheidenden Einfluß auf die Politik der USA. Alphonso Taft wird im selben Jahr Gneralbundesanwalt und Justiminister. Bei den Wahlen dieses Jahres kann kein neuer US-Präsident ermittelt werden. Taft hievt qua Amtsbefugnis Rutherford Hayes in das Weiße Haus. Alphonsos Sohn William Howard Taft (Skull and Bones 1878) wurde bekanntlich 1908 Präsident der USA, später auch noch General Attorney. Dessen Sohn Robert Alphonso Taft (Skull and Bones 1910) kämpfte als einflußreicher Senator für enge Koalitionen mit England.

Im Ersten Weltkrieg basteln die Skull and Bones-Studenten gar eine eigene Fliegerstaffel, die Yale Unit. Henry Davison aus der Chefetage der Morgan-Bank finanziert das Abenteuer für Sohn Trubee sowie dessen snobistische Yale-Komilitonen. Anführer der Yale-Unit wird Robert A. Lovett, später Minister unter Roosevelt und Truman. 1917 wird die Yale-Einheit offiziell den englischen Streitkräften eingegliedert.

Nicht allein Skull and Bones, sondern ein elitäres Netzwerk aus Mitgliedern der Ivy League nimmt erheblichen Einfluß auf die Politik der USA. Theodore Roosevelt war Mitglied in der studentischen Geheimverbindung Pig Club in Harvard. Die Brüder Allan und John Foster Dulles, die faktisch die Politk der USA in den Fünfziger Jahren bestimmten, gehörten dem Ivy Club in Princeton an. Franklin Delano Roosevelt begnügte sich mit dem gemäßigten Fly-Club.

Die Mitglieder dieses außerordentlich wohlhabenden Netzwerkes einte das Bewußtsein, als Elite auserwählt zu sein. Mit Ekel schauten jene Vorzugsmenschen auf die Massenkultur herab. Rechtspopulistische Bewegungen wie die Rednecks oder die McCarthy-Inquisition waren ihnen taktisch willkommen, nichtsdestotrotz jedoch zutiefst zuwider. Die Ivy-League-Menschen schätzten klassische Bildungsgüter: antike Literatur, englische Hochliteratur, besonders Lyrik. Sie förderten T.S. Eliott und Ezra Pound. Theodore Roosevelt las in arbeitsfreien Minuten griechische Klassiker im Original. Man verstand sich zudem als Speerspitze moderner Forschung.

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Prescott Bush mit Frau

So überrascht es nicht, daß Irving Fischer (Skull and Bones 1888) Gründungspräsident der American Eugenics Society wurde. Die Vorstellung, die Qualität der Massenmenschen durch gezielte Zuchtwahl und Aussiebung der Kranken und Schwachen anzuheben, hatte unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Elitemenschen von der Ostküste. Eine herausragende Stellung als Förderer der Eugenik und Euthanasie erlangte bald Averell Harriman. Die Harriman-Dynastie erwarb enormen Reichtum durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes in den USA. Die Eisenbahn machte wiederum Rockefeller eine Zeitlang zum Monopolverkäufer von Erdöl. Die Harriman-Rockefeller-Symbiose prägte über Stiftungen das Gesicht der Wissenschaft nicht nur in den USA.

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Averell Harriman

Und Averell Harriman war der große Förderer und Koordinator von Skull and Bones. Harriman versammelte seine Skull and Bones-Kameraden auf der Multimilliardärs-Insel Jupiter Island. Zusammen mit George Herbert Walker (Skull and Bones 1927) faßte Harriman die eugenischen Forscher, besonders in Deutschland, England und Skandinavien, zu einem schlagkräftigen Weltverband zusammen. Auf dem Eugenik-Weltkongreß 1932 sorgte Harriman dafür, daß der deutsche Eugeniker Ernst Rüdin zum Vorsitzenden des Weltverbandes gewählt wurde.

Harriman kaufte sich in die englische Bank Brown Brothers ein, die nunmehr als Brown Brothers Harriman transkontinentale Kapitaltransfers abwickelte. Harriman holte Prescott Bush (Skull and Bones 1917) als Geschäftsführer in sein Unternehmen. Prescott Bush leitete zudem die Union Banking Corporation, die bevorzugt Kapitalgeschäfte mit Nazi-Deutschland durchführte.

Während sich Averell Harriman um die Verbesserung der menschlichen Rasse kümmerte, arbeitete ein anderer Skull and Bones-Patriarch an der Beeinflussung des Bewußtseins der Massen. Henry Robinson Luce baute nacheinander Time-Magazine, Fortune, Life und Sports Illustrated auf. 1923 gibt ihm ein Netzwerk von 72 Wall Street-Investoren das nötige Geld, damit Luce mit 18 Redakteuren – 11 davon Absolventen aus Yale – die erste Nummer von Time starten kann. Harriman war einflußreicher Demokrat. Luce jedoch setzte seine ganze Macht ein, um mit seinen Presseerzeugnissen für die Republikaner zu trommeln. Die New York Times bemerkte über Luce: „Er trug dazu bei, die Lesegewohnheiten, politischen Grundhaltungen und kulturellen Vorlieben von Millionen zu prägen.“ Wenn der Moderator im Radio und in der Kinowochenschau emphatisch ausrief: „Time marches on!“, dann war er die Stimme seines Herrn Henry Luce.

Den Erfolg jener Eliteherrschaft sichern letzterhand diskrete Operationen, die an den demokratisch kontrollierten Instanzen: Legislative, Exekutive und Judikative vorbei, entscheidende Weichenstellungen vornehmen. Es verwundert in diesen Zusammenhang nicht, daß der elitäre Campus der Yale-Universität den idealen Nährboden für die CIA hergab. Durchgeistigte Lyriker wie James Jesus Angleton oder Cord Meyer verließen die Redaktionsklause ihrer poetischen Campuszeitung „Yale Lit“, um in Europa mit „dirty tricks“ linke Milieus aufzumischen. Angleton war ein typischer Anglophiler, aufgezogen in einem englischen Internat, mit antrainiertem Oxford-Akzent. Er betrieb die P-Gruppe (P für Professor). Die P-Gruppe rekrutierte in Yale Talente für den CIA. Yale-Geschichtsprofessor Gaddis Smith bekräftigt die innere Beziehung zwischen Yale und CIA: „Yale hat den CIA stärker beeinflußt als irgendeine andere Universität. Das gibt dem CIA bisweilen den Charakter eines Klassentreffens.“

Personalchef beim CIA wird der uns bereits als Kommandant der Yale-Fliegereinheit bekannte Trubee Davison (Skull and Bones 1918). Seine Personalrekrutierung sorgt für den elitären Yale-Stallgeruch. Ursprünglich hatte Präsident Truman (kein Ivy-League-Mitglied) lediglich eine Koordinationsstelle angefordert, in der die aus den Geheimdiensten eingehenden Datenmassen evaluiert und sortiert werden sollten. Truman wollte nicht mit Datenmüll beim morgendlichen Briefing zugestopft werden. Doch die Geheimniskrämer von der Ivy League machten aus der Central Intelligence Agency eine operative Kampfeinheit, die ohne demokratische Kontrolle durch den Kongreß Regierungen nach Belieben stürzte oder Wahlen manipulierte. Der Nationale Sicherheitsrat umging parlamentarische Kontrollen. Wenn das Parlament kein Geld für CIA-Operationen bewilligen wollte, besorgte sich der Geheimdienst die finanziellen Mittel entweder durch kriminelle Kanäle oder von Stiftungen, wie z.B. Ford Foundation oder Rockefeller Foundation.

Den vorläufigen Gipfelpunkt in der Umgehung demokratischer Kontrollinstanzen erklomm George Bush der Erste (Skull and Bones 1948, zeitweilig CIA-Chef). In seiner Eigenschaft als Vizepräsident unter Ronald Reagan ließ Bush in der eigens für ihn gegründeten Special Situation Group alle Informationsfäden zusammenlaufen. Sogar der Nationale Sicherheitsrat wurde zur reinen Akklamationsinstanz degradiert. Über die Special Situation Group führte Bush ein Regiment, dessen Konturen bruchstückhaft in der Iran-Contra-Affäre sichtbar wurden. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses für Geheimdienste, der Demokrat David Lyle Boren (Skull and Bones 1963) nannte die Machtmaschine von George Bush eine „Parallelregierung“. Das ist sicher untertrieben. Bush war de facto Präsident seit 1980. Als z.B. die Übernahme der Karibikinsel Grenada beschlossen wurde, befand sich Ronald Reagan auf dem Golfplatz.

Das provokante Vorgehen von George Bush ist schuld daran, daß die Öffentlichkeit auf Skull and Bones aufmerksam wurde. Als Bush sogar offiziell Präsident werden wollte, fragte die Washington Post 1988: „Hat der Vater von George Bush ein Grab geschändet?“ Papa Prescott Bush brach nämlich 1919 mit einigen seiner Corpsbrüder als Skull and Bones Stoßtruppe mitternächtlich auf einen Friedhof ein und entnahm dem Grab des Apachenhäuptlings Geronimo dessen Schädel. Der Schädel wurde sodann als Trophäe in einer Glasvitrine im Skull and Bones-Clubheim ausgestellt.

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Geronimo

Jene Pietätlosigkeit von Prescott Bush brachte die Skulls in den Ruch des Rassismus. In der Tat war der Orden lange Zeit der extreme Ausdruck der WASP-Dünkels. WASP steht für „White Anglo Saxon Protestants“. Gemeint sind die weißen anglophilen protestantischen Geldaristokraten von der Ostküste, deren Vorfahren tunlichst schon auf der „Mayflower“ mitgefahren zu sein hatten. Harrimans Eugenik beinhaltete ja auch, daß die Rassen genetisch-qualitativ unterschiedlich bewertet werden müßten. So hatten Juden, Afroamerikaner und andere „inferior races“ bei den Skulls nichts verloren.

Trotzdem ging die Kolportage der Washington Post im Falle von George Bush voll daneben. George Bush tat sich zwar am Anfang seiner Karriere als Förderer von Planned Parenthood hervor. Planned Parenthood war aus einer berüchtigten Eugenik-Gesellschaft unter Margaret Sanger hervorgegangen. Zusammen mit Bush baute sich eine PR-Offensive auf, die um die ganze Welt ging: Die Welt werde bald zu klein. Eine Bevölkerungsexplosion drohe die Menschen zusammenzupressen. Und nicht nur in den Henry Luce-Illustierten Time und Life quollen immer nur Massen von Indern, Chinesen oder Afrikanern aus den Abbildungen. Planned Parenthood war vor Ort und beriet die Inder, kaum viele Chinesen, dafür aber umso mehr Afrikaner bei der Geburtenkontrolle.

Doch Bush erkannte als einer der Ersten im WASP-Lager, daß demographische Umschichtungen zuungunsten der weißen Protestanten die Mehrheitsfähigkeit seiner Machtbasis auserwählter weißer Eliten über kurz oder lang obsolet machen würden. So kam es zu einer ethnischen Öffnung bei den Skull and Bones. Seit geraumer Zeit nun soll es bei dem Schädelorden Afroamerikaner, Homosexuelle und Frauen als willkommene Mitglieder geben.

 

Sind die Skull and Bones möglicherweise gar nicht politisch oder gar rechts orientiert? Die Skull and Bones sind sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern vertreten. Der mächtige Henry Stimson diente demokratischen wie republikanischen Präsidenten als Minister. Der Nationale Sicherheitsberater von John F. Kennedy hieß McGeorge Bundy. Auch er ein Skulli.

Der typische Skull and Bone-Alumnus kann in seinem Leben wechselweise Diplomat, Geheimagent, Minister,Wirtschaftsboß oder Universitätsdekan sein. William Sloane Coffin (Skull and Bones 1948) wechselte gar von der Kanzel zum Agentenauto und zurück: „Nach einem Jahr auf dem Union Theological Seminary schien sich ein Krieg mit der Sowjetunion anzukündigen, und nun wechselte ich doch zum CIA, weil ich in diesem Krieg von Nutzen sein wollte.“ Der Krieg fiel gottlob aus, und in den Sechziger Jahren profilierte sich Coffin als engagierter Vietnam-Kriegsgegner.

Und da traf er gewiß John Kerry (Skull and Bones 1968). John Kerry warf als dekorierter Vietnamkriegsveteran seine Orden ins Wasser. Aus Protest gegen den von ihm so genannten Völkermord. Frustrierte Veteranen folgten seinem Beispiel. Erstaunlicherweise fotographierte ein Reporter in Kerrys Haus genau diese Kriegsorden: sie hingen algenfrei an der Wand. Warum Kerry als Senator gegen den ersten Golfkrieg, aber für Golfkrieg zwei optiert hat, weiß nur Kerry. Kerrys Zickzackkurs in allen wichtigen Fragen der Politik ist hinlänglich bekannt. Verheiratet war Kerry übrigens zunächst mit der geschiedenen Frau eines Skull and Bones-Mannes. Jetzt ist er mit der Witwe des Ketchupkönigs John Heinz (Skull and Bones 1931) verheiratet.

Und John Kerry wird gewiß niemals in seinem Leben einen Skull and Bones-Corpsbruder in Schwierigkeiten bringen. Weder Vater und noch Sohn Bush. John Kerry saß nämlich als Senator zusammen mit seinem republikanischen Kollegen Hank Brown einem Untersuchungsausschuß vor. Der Ausschuß sollte ermitteln, ob Regierungsstellen oder Geheimdienste unerlaubte Aktivitäten der pakistanischen Bank und Geldwaschanlage BCCI  gefördert oder gedeckt hätten.

Der Bericht ist lesenswert. Denn er beschreibt, wie CIA, der englische SIS, Zentralbanken, Waffen- und Drogenhändler, Warlords und BCCI zu einer einzigen globalen Firnisschicht verwachsen waren, und wie die US-Regierung mit billigen Tricks den Ausschuß daran hindert, relevante Dokumente einzusehen. Kerry und Brown picken sich Donald Regan und Oliver North als Hauptbösewichte der US-Regierung heraus. Der Mann, auf dessen Special Situation Group alle Fäden zulaufen, bleibt allerdings ausgespart: George Herbert Walker Bush.

Daß der Kerry/Brown-Bericht erst im Dezember 1992, also einen Monat nach der Präsidentenwahl, herauskam, nützte George Bush nun leider gar nichts. Denn Ross Perot war im Zorn vom Posten als Präsident Reagans Sonderberater für amerikanische Kriegsgefangene in Vietnam zurückgetreten. Nun sprang er rachehalber in den Ring als unabhängiger Präsidentschaftskandidat gegen George Bush. Aber keine Sorge. Denn Bush-Bezwinger Clinton wurde von Winston Lord (Skull and Bones 1959), seinem stellvertretenden Außenminister, gut beraten. Und nach der achtjährigen Bush-Pause sind aktuell gerade mal zwei weitere Skullis im Kabinett vertreten: Edward McNally als Chefberater im Heimatschutzministerium, sowie Robert McCallum als stellvertretender Justizminister. McCallum ist sogar ein Skull-Jahrgangskamerad von George Bush II.

 

Offenkundig hat die neue Offenheit der WASPs gegenüber andersethnischen Privilegsanwärtern die Position der weißen Efeuliga nur gestärkt. Denn bei den Vorwahlen der Demokraten im letzten Winter kamen mit John Edwards, Howard Dean, Joe Liebermann und John Kerry gleich vier Aspiranten aus – Sie haben es erraten: aus Yale.

Die heutigen Efeuligisten wirken allerdings blaß gegen ihre Corpsbrüder aus früheren Generationen. Weder der jetzige Präsident noch sein Herausforderer noch die an ihnen rankenden Berater stehen im Verdacht, in der Mittagspause Thukydides im Original zu lesen oder auf dem Golfplatz große bildungsträchtige Oden zu schreiben.

 

Wer wird dennoch Präsident? Bush? Kerry?

Präsident wird auf jeden Fall ein Mann, der mit den Worten des CIA-Journalisten Irving Kristol von sich einmal behaupten möchte:

 

„Die Elite waren wir- die happy few, die von der Geschichte dazu auserwählt waren, unsere Mitmenschen einer irdischen Erlösung entgegenzuführen.“

Charles Chaplin und die Zweite Front

Prominente wie Xavier Naidoo oder Ken Jebsen, um nur zwei Beispiele herauszugreifen, werden genau in dem Augenblick von Rufmordkampagnen getroffen, wenn sie Dinge sagen, die nicht in das Konzept und die Agenda der Mächtigen hineinpassen.

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Die Methode Rufmord hat eine lange Tradition. Sie macht auch vor absoluten Superstars wie Charles Chaplin nicht halt. Als Chaplin auf die Untätigkeit der Westmächte im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen das Naziregime aufmerksam zu machen sich erdreistet, ist seine Karriere schlagartig beendet und ihm werden erfundene Delikte angehängt. Chaplin wagte es, die Ernsthaftigkeit der der Anstrengungen der Westmächte im Zweiten Weltkrieg in Frage zu stellen – wo blieb die „Zweite Front“, nämlich die Front im Westen? Tatsächlich begann der Angriff der Westmächte nämlich erst gut zwei Jahre später. Als die Sowjetunion im Alleingang das Nazireich besiegt hatte, und jetzt ungehindert die Wehrmacht westwärts vor sich her trieb. Worum ging es bei der gloriosen Invasion im Jahre 1944? Möglicherweise ging es darum, die Kriegsbeute vor den Sowjets zu retten?

Am 22.7.1942 veranstaltete der CIO (Council of Industrial Organizations) zusammen mit kirchlichen, studentischen Organisationen und Veteranenverbänden eine Kundgebung im New Yorker Madison Square Park.

Zu diesem Anlaß hielt Charles Chaplin von Beverly Hills aus eine Telefon-Ansprache an die Demonstranten. Eindringlich appellierte er an die Regierungen der USA und GB, sofort eine zweite Front im Westen aufzumachen, da die Wehrmacht 35 Kilometer vor den Ölfeldern im Kaukasus stehe. Wenn diese in die Hände der Nazis fielen, sei praktisch die Ölversorgung der SU verloren. Währenddessen warteten die westalliierten Soldaten in Irland auf ihren Einsatz:

„Wir hören davon, daß große Truppenmassen in Nordirland zusammengezogen werden, daß fünfundneunzig Prozent unserer Geleitzüge heil in Europa eintreffen, daß zwei Millionen Engländer voll ausgerüstet und bereit sind, eingesetzt zu werden. Worauf warten wir denn noch, da die Situation in Rußland derart verzweifelt ist?“ S.420

 

„Wenn Rußland den Kaukasus verlieren sollte, dann wäre das für die Sache der Verbündeten die größte Katastrophe. Dann werden wir auf die Beschwichtigungspolitiker achten müssen, denn sie werden aus ihren Verstecken hervorgekrochen kommen. Sie werden mit einem siegreichen Hitler Frieden machen wollen. Sie werden sagen: ,Es hat keinen Sinn, das Leben einer noch größeren Zahl von Amerikanern zu opfern – wir können mit Hitler >ein gutes Geschäft< machen.“ S.421

Folge dieser mutigen Sätze: faschistische Organisationen hetzen Chaplin eine Frau namens Joan Berry auf den Hals. Diese strengt eine Vaterschaftsklage gegen Chaplin an. Obwohl ein Bluttest negativ verläuft, wird Chaplin vom General Attorney angeklagt aufgrund des ,Mann Act’. In erster Instanz unschuldig, zweite Instanz schuldig. Die American Legion erpresst die Kinos der USA, den Film trotz guter Besucherzahlen aus dem Programm zu nehmen. Zuvor hatte bereits eine Hollywood-eigene Zensurbehörde, das ,Breen Office’ (gehört zur selbsternannten ,Legion of Decency’) ,Monsieur Verdoux’ abgelehnt. Erst nachdem Chaplin die gewünschten Änderungen vorgenommen hatte, wurde der Film freigegeben.

Als Chaplin 1953 (?) eine Europa-Reise machen will, braucht er ein ,Re-Entry-Permit’, um wieder in die USA einreisen zu können. Etliche Male wird er von der Einreisebehörde verhört. Man will klären, ob Chaplin wirklich Chaplin heißt, oder ob er nicht vielmehr ein Jude aus Galizien sei. Kaum ist er auf dem Schiff nach Europa, da wird ihm jeder weitere Aufenthalt in USA untersagt. Durch Intrigen wird seine Filmfirma United Artists beinahe an die Wand gefahren.

Die Luce-Presse („Time“) zerreißt Chaplins Film ,Limelight’ (Chaplins Filmkomödie von 1952) in der Luft. Hier verlor Chaplin viel Geld.

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Chaplin verwahrt sich gegen den möglichen Eindruck, seine Erinnerungen seien eine Art Selbstrechtfertigung:

„Diese Erklärung ist keine Entschuldigung. Als ich begann, dieses Buch zu schreiben, fragte ich mich, warum ich es täte. Es gibt viele Gründe dafür, aber der Wunsch, mich zu rechtfertigen, ist nicht darunter. Wenn ich meine Lage zusammenfassen soll, dann müßte ich sagen, daß ich mir in einer Atmosphäre mächtiger Cliquen und unsichtbarer Regierungen die Feindschaft einer Nation zugezogen und unglücklicherweise die Zuneigung der amerikanischen Öffentlichkeit verloren habe.“ S.477

Warum so demütig? Die amerikanische Öffentlichkeit ist doch massiv daran gehindert worden, sich zu dem Thema zu äußern!

Was lernen wir daraus? Selbst 1964 ist der Druck auf Chaplin und den Verlag noch so groß, daß Chaplin defensiv argumentiert. Personen, Jahreszahlen und andere Daten sind in dem Buch so schwammig gehalten, dass von den Übeltätern niemand an die Öffentlichkeit gezerrt wird, mit Ausnahme eines untersten Gliedes, nämlich Joan Berry, jene Dame, die Chaplin fälschlich beschuldigt hatte.

Auszüge der Telefonansprache zitiert aus: Aus Charles Chaplin: Geschichte meines Lebens Frankfurt/Main 2003

Buchtip zur Darstellung aus sowjetischer Sicht: Valentin Falin: Die Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition. München 1997.

 

Der rätselhafte Tod eines US-Präsidenten

Den Kampf zwischen zwei Ölkonzernen um die ergiebigen Ölfelder in der Sowjetunion kostete Präsident Harding das Leben

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Am 2. August 1923 ereilte US-Präsident Warren Gamaliel Harding ein viel zu früher und absolut rätselhafter Tod. Harding ging in die Geschichte ein als substanzarme Galionsfigur korrupter Parvenüs und der Ölindustrie

 

Das Präsidentenehepaar macht Station in Vancouver. Die Hardings befinden sich auf der  Rückreise von einem Sommerurlaub in Alaska. Beim Mittagessen wird es dem Präsidenten  plötzlich sehr übel. Die Sommerfrischler reisen dennoch weiter nach San Franzisco, wo das Staatsoberhaupt am 2. August 1923 im Alter von 57 Jahren verstirbt.

 

Das Volk der Amerikaner ist darob sehr traurig. Denn Harding erfreut sich außerordentlicher Beliebtheit. Die Presse ehrt ihn als „größten Bürgerpräsidenten seit Lincoln“, gar als „idealen Amerikaner“. Der rasche Tod in der Blüte seines Lebens erregt Verdacht. Klatschbasen in Washington wispern, die First Lady Florence „Flossie“ Harding hätte ihren Gemahl mit einem weißen Pulver im Mittagsmenue meuchlings dahingemordet. Denn Harding sollte nicht nur ein Verhältnis mit einer Dame namens Nan Britton unterhalten haben, sondern auch eine uneheliche Tochter Elizabeth soll aus dieser Liaison hervorgegangen sein.

Der Präsidentenbiograph Robert Ferrell erteilt diesen Yellow-Press-Geschichten in einem 1998 erschienenen Buch eine klare Absage: bislang unveröffentlichte Dokumente des Harding-Arztes Joel T. Boone belegen, dass sein Patient schon viele Jahre vor dem Ableben unter Bluthochdruck und Herzschwäche litt. Zudem absolvierte Harding mit 24 Jahren nach Nervenzusammenbrüchen einen mehrmonatigen Sanatoriumsaufenthalt.

Konstitutionelle Anfälligkeit und eine geringe Streßtoleranz führten nicht nur zum raschen Herzinfarkt. Es stellte sich bald heraus, daß Harding einer Regierungsmannschaft vorstand, die in puncto hemmungsloser Selbstbereicherung und Verantwortungslosigkeit gegenüber öffentlichem Eigentum bislang ohne Beispiel gewesen ist. Harding sank schnell im allgemeinen Ansehen herab zu einem inkompetenten, durchsetzungsschwachen Schönredner. Ein willenloser Strohmann der Ölindustrie, so sagt man. In allen Rankings der Präsidenten des Zwanzigsten Jahrhunderts belegt er den letzten Platz.

 

Warren Gamaliel Harding kommt 1865 in den provinziellen Tiefen des Bundesstaates Ohio zur Welt. In dem Städtchen Marion gründet er das Blättchen The Marion Star. Harding hätte wahrscheinlich als Herausgeber des Wochenblattes seine Erfüllung gefunden, hätte ihn nicht die wohlhabende, um Jahre ältere Millionärswitwe Florence Kling de Wolfe geheiratet. Die ehrgeizige Frau mit Sympathien für die Suffragettenbewegung sorgt dafür, daß der Marion Star täglich erscheint und daß ihr Warren in der Lokalpolitik mitmischt. Und Warren Gamaliel wird immer öfter als Redner in Ohio angefordert. Es weiß zwar kaum jemand, worüber der stattliche attraktive Mann eigentlich grade spricht. Harding nennt seinen Bramarbas „Bloviating“. Jenseits von Semantik und Syntax klingt es den Bürgern von Ohio wie Musik in den Ohren. Und sie können nicht genug davon bekommen.

Deshalb wird Harding im Jahre 1900 Senator für die Republikaner im Bundesstaat Ohio, avanciert 1904 zum stellvertretenden Gouverneur dieses Staates. Bei der Wahl um den vakanten Posten des Gouverneurs unterliegt er allerdings zwei Jahre später.

Nach einer neunjährigen Reifungsperiode schafft Harding 1915 den großen Sprung in das Oberhaus des Washingtoner Kongresses, den Senat. Nicht ist zu berichten von bemerkenswerten Gesetzesinitiativen, scharfsinnigen rhetorischen Klingenschwüngen oder treffsicheren Investigationen gegen die Wilson-Administration. Harding fällt eher auf durch Folgsamkeit gegenüber der republikanischen Parteiführung. Als maßvoller Freund des guten Tropfens stimmt er brav für das Alkoholverbot. Und: da Harding sich jetzt gute Texter leisten kann, wird seine Schönrede neuerdings mit Sinn und Satzbau unterfüttert. Allerdings stockt Warren Gamaliels Redeschwung seit neuestem vor anspruchsvollen Wörtern fremdgewebter Manuskripte.

Es naht die Stunde, da an der Spitze des nunmehr mächtigsten Staates der Erde ein Mann dringend benötigt wird, der exakt die Charaktereigenschaften unseres Warren Gamaliel Harding aufweisen kann.

Denn der demokratische Präsident Woodrow Wilson war 1917 von den Wählern nur unter der Bedingung wiedergewählt worden, daß er die USA aus dem Weltkrieg heraushalten würde. Drei Monate später sind die USA mittendrin im europäischen Schlammgraben. Und Wilson will die Welt neu gestalten, hin zum Schönen und Guten. Genüßlich zitieren republikanische Abgeordnete aus einem vielgelesenen Buch, in dem John Meynard Keynes schonungslos darlegt, wie Wilson bei den Pariser Friedensverhandlungen von Clemenceau und Lloyd George an der Nase herumgeführt wird wie ein Tanzbär.

Der oberste Souverän der USA, der Wähler nämlich, hat die Nase gestrichen voll von amerikanischen Weltbeglückungsvisionen. Harry Daugherty aus Ohio macht der republikanischen Parteiführung klar, daß Harding der Mann der Stunde sei, denn Harding „sieht aus wie ein Präsident“. Das leuchtet den Führern der Grand Old Party ein. Die größte Tugend des zu wählenden Präsidenten soll nämlich das Nicht-Tun sein. Ein Mann ist gefragt, der die heimische Wirtschaft mit Schutzzöllen gegen auswärtige Konkurrenz abschottet, und der die Außenpolitik den Konzernen und Kartellen überläßt.

Im November 1920 erhält Harding fast doppelt so viele Wählerstimmen wie sein demokratischer Konkurrent James Cox, der als Vizepräsidentenkandidaten einen Nachwuchspolitiker namens Franklin Delano Roosevelt nominiert hatte.

In seiner Inaugurationsrede spricht Harding aus, was die überwältigende Mehrheit aller Amerikaner empfindet: „Der dokumentierte Fortschritt unserer Republik … belegt die Weisheit der überkommenen Nichteinmischung in die Angelegenheiten der Alten Welt … Amerika darf keiner dauerhaften militärischen Allianz angehören. Es darf keine politischen Verpflichtungen eingehen, und es darf auch keine wirtschaftlichen Verpflichtungen eingehen, durch die es sich einer fremden Autorität beugen müßte.“ Die Kriegsmaschinerie soll zurückgefahren werden, die Bevölkerung von Steuern entlastet werden.

Hardings Weg weist in eine gutmütige Stagnation: „Wir streben nach Normalität, um Stabilität zu erreichen.“

Eigentlich kann nichts schiefgehen. Das Ostküsten-Establishment entsendet den potenten Bankier Andrew Mellon, der mit Argusaugen im Finanzministerium über des Volksvermögen wacht. Die Außenpolitik verwaltet Charles Evans Hughes, der zuvor als Anwalt die Interessen von Standard Oil of New Jersey vertreten hat, dem mit Abstand größten Ölkonzern der Welt.

Das Ehepaar Harding kann sich auf angenehme Jahre freuen, angefüllt mit Kindergartenbesuchen, Brückeneinweihungen und vor allem: vielen wohlklingenden Reden vor erlesenem Publikum.

Doch Mister Harding merkt bald, daß er ein Ticket für die Geisterbahn gelöst hat. Einem Freund gesteht er zähneklappernd: „Mein Gott, das ist ja ein Höllenjob! Ich hab’ keine Probleme mit meinen Gegnern. Die hab’ ich im Griff. Aber meine verdammten Freunde … die sind schuld, daß ich nachts schlaflos durch die Zimmer irre.“

Hardings verdammte Freunde: das sind Emporkömmlinge, die die Höhenluft der Macht im Weißen Haus nicht vertragen. Leute, die der Versuchung nicht widerstehen können, von dem immensen Volksvermögen, das ihnen qua Amt anvertraut ist, einen erklecklichen Teil in die eigene Tasche umzuleiten. Parvenüs, deren lautes Auftreten den großen Familien des Ostens ein indigniertes Hochziehen der Augenbrauen und Naserümpfen verursacht.

Von Unregelmäßigkeiten bei der Verteilung beschlagnahmter Feindvermögen ist die Rede. Verurteilte Mafiabosse sollen dank Protektion durch Justizminister Daugherty frei in der Welt herumreisen dürfen. Ein schwunghafter Handel mit Sondergenehmigungen zur Alkoholproduktion und Lagerung soll sich gebildet haben.

Aber das ist nur Kleinholz, verglichen mit dem schmachvollen Teapot-Dome-Skandal, der Hardings Reputation für alle Zeiten in den Straßenkot zerren sollte. Harding sollte bereuen, den Rancher Albert Fall aus New Mexico zu seinem Innenminister bestellt zu haben. Fall untergrub die nationale Sicherheit an einer zentralen Stelle.

 

Denn 1911 stellen gleichzeitig Großbritannien und die USA ihre Kriegsmarine auf Öl als Treibstoff um. Die Maßnahme verbessert Schnelligkeit und Flexibilität der maritimen Streitkräfte erheblich. Um sich im Kriegsfall nicht von Ölkonzernen überhöhte Preise diktieren zu lassen, sichern sich die beiden Regierungen Ölfelder mit eigener Infrastruktur. Die USA besitzt Ölfelder in Salt Creek, genannt Teapot Dome, in Wyoming, sowie in Kalifornien die Elk Hills und das Buena-Vista-Gelände.

Der neue Innenminister Fall zieht die Verwaltung der Ölfelder vom Marineministerium herüber in die eigene Obhut. Harding gibt dieser Kompetenzverschiebung durch Executive Order 3474 seinen präsidentiellen Segen. Falls ehemalige Senatorenkollegen glauben ihm nicht so ganz,wenn er beteuert, die Felder seien bei ihm in guten Händen. Sie erinnern sich nur zu gut, wie Fall als Mitglied im Senatsausschuß für staatseigene Liegenschaften immer wieder versucht hatte, öffentliche Objekte an Freunde zu verschachern.

Und schon im Dezember 1921 kommt es buchstäblich zum Kuhhandel. Am gemütlich knasternden Lagerfeuer vor Falls Ranch in Neu Mexico verabredet der Innenminister mit dem Eigentümer des Ölkonzerns Mammoth Oil, Mister Harry Sinclair, folgenden Deal: Sinclair erhält die Ausbeutungsrechte für das gesamte Teapot Dome-Areal. Im Gegenzug baut Sinclair eine Pipeline zur Atlantikküste Dort installiert Sinclair große Lagertanks und verpflichtet sich, diese stets vollgetankt für die Bedürfnisse der Kriegsmarine bereitzuhalten. Als erstes kleines Dankeschön spendiert der Ölmagnat dem wackeren Politiker-Rancher: sechs jungfräuliche Kühe, zwei Zuchtbullen, zwei Eber, vier Sauen, und für den Altknecht einen englischen Rassehengst. Sinclairs Schwiegersohn überbringt dem Minister sodann 133.000 Dollar, teils in bar, teils in Pfandbriefen.

Durch ein gleichartiges Geschäft verschachtert Fall die kalifornischen Ölfelder Elk Hills und Buena Vista an den Eigentümer der Panamerican Oil, Edward Doheny. All dies geschieht ohne Rückfrage beim Senat. Die Verträge werden klammheimlich abgschlossen. Insgesamt erwirbt Fall neben seinen Zuchtsauen etwa eine halbe Million Dollar, sagen wir: für Beratertätigkeiten, aus allen drei Liegenschaften. Im Gegenzug schanzt er Doheny und Sinclair potentielle Ölfördererlöse in Höhe von schätzungsweise 300 Millionen Dollar zu. Für damalige Verhältnisse eine gigantische Summe.

Doch es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen.

Falls Ranchernachbarn melden an die örtlichen Politiker den wundersamen Zuwachs an Ländereien des Innenministers. Konkurrenten protestieren wütend gegen die offenkundige Bevorzugung von Sinclairs Mammoth Ölgesellschaft. Standard Oil-Chef Walter Teagle macht in Washingtoner Regierungsbüros Rabatz: „Die Sache stinkt zum Himmel!“

Erschrocken tritt Fall im April 1923 zurück, und Harding fällt im August tot um. Der nachrückende Präsident Coolidge will die Wahlen im nächsten Jahr für sich entscheiden. Darum feuert er die Harding-Clique ohne feierlichen Zapfenstreich. Der Vorstoß von Coolidge, die skandalösen Transaktionen von zwei Anwälten der großen Ölkonzerne untersuchen zu lassen, wird vom Capitol abgewehrt. Also beauftragt Coolidge zwei in Washington weitgehend unbekannte Anwälte, der eine Demokrat, der andere Republikaner, mit den Untersuchungen. Das Proporzgespann leitet zwei Zivilklagen auf Annullierung der Verträge mit Sinclair und Doheny ein. Vier Strafprozesse sollen die Protagonisten einer Sühne zuführen. Die Prozesse ziehen sich bis in die frühen Dreißiger Jahre hin. Doch der Staat wird am Ende seine Ölfelder zurückerhalten.

An dieser Stelle hört für die meisten Chronisten die Geschichte des Harding-Skandals auf. Dabei wird es aber erst hier so richtig spannend. Denn bei Lichte betrachtet richten sich alle tatsächlich erfolgten Strafen und Sanktionen ausschließlich gegen eine einzige Person: Harry Sinclair.

Die Annullierungsklage gegen seine Mammoth Oil hat schon im ersten Anlauf Erfolg. Strafprozessual wird Sinclair zu sieben Monaten Haft verurteilt. Aber – man staunt – nicht wegen Bestechung, sondern weil er dem Untersuchungsausschuß nicht in ausreichender Weise zugearbeitet hat.

Völlig anders gehen die Gerichte mit Sinclairs symmetrischem Counterpart Doheny um. Nach erstinstanzlichem Urteilsspruch darf er seine Ausbeutungsrechte für Elk Hills und Buena Vista behalten. Erst in der Berufungsverhandlung gehen diese für Doheny verloren.

Vollends zur reinen Farce pervertiert dann der Strafprozeß gegen Doheny. Die Jury ist von Anfang an erkennbar auf seiten des Panamerican Oil-Besitzers. Die Laienrichter nehmen den Prozeß gar nicht ernst und trällern vor der Urteilsverkündung alberne Liedchen. Doheny wird freigesprochen.

Welche Gründe könnte diese offenkundige Ungleichbehandlung zweier absolut identischer Fälle haben?

Sowohl Sinclair wie Doheny sind aus bescheidenen Verhältnissen zu Ölmagnaten aufgestiegen. Doch während Doheny sich auf einträgliche Nischen abseits der führenden Ölkonzerne beschränkt, fordert Sinclair die Vormachtstellung der Standard Oil of New Jersey offen heraus. Er sucht das Duell auf der Bühne, die von allen Ölkonzernen als entscheidend erachtet wird: „ .. Rußland betrachtete man als Hauptgewinn des Ersten Weltkriegs, denn man nahm allgemein an, daß die russischen Ölreserven jene der USA überträfen.“ So faßt Michael Tanzer die Stimmung der frühen Zwanziger Jahre zusammen.

Die riesigen Ölvorkommen um Baku waren durch Rothschild, die Brüder Nobel und Royal Dutch/Shell erschlossen worden. Die Zusammenarbeit mit dem zaristischen Sicherheitsdienst Ochrana hatte sich für die Ölkonzerne gut bewährt, also unterstützte man zunächst die Weißgardisten unter General Denikin. Harry Sinclair steuerte 1919 eine 8.000-köpfige Privatarme aus der eigenen Portokasse zur Gegenrevolution bei.

Jedoch setzen sich die Bolschewiken als Ordnungsfaktor in der Region durch. Sinclair brüstet sich nun mit seiner Freundschaft mit Lenin und trifft sich 1923 in London mit dem sowjetischen Botschafter Leonid Krassin. Krassin arbeitete lange Zeit als Ölingenieur in Baku. Kurz darauf reist Sinclair mit großem Gefolge nach Moskau. Dort wird ein Vertrag unterzeichnet, der Sinclair beauftragt, die Ölfelder in Baku sowie Ölquellen in Nord-Sachalin mit neuester Bohrtechnologie zu bestücken. Er verpflichtet sich, mindestens 115 Millionen Dollar in diese Modernisierung zu investieren. Sinclair garantiert der sowjetischen Regierung, in den USA ein gigantisches Kreditpaket für die Bolschewiken zu aquirieren.

Rein zufällig wurde gerade in diesem entscheidenden Augenblick in den USA eine Pressekampagne angefacht, die als „Teapot-Dome-Skandal“ Dohenys Schuldanteil ausblendet und den Namen Sinclair mit der größten Korruptionsaffäre der USA untrennbar zusammenschweißt. Es ist undenkbar, daß irgendjemand aus dem Finanzestablishment der Ostküste einem Kredit-Konsortium beitritt, das von Harry Sinclair angeführt wird. Sinclair kann seine vertraglichen Bedingungen nicht erfüllen, und die Sowjetregierung kündigt den Kontrakt auf.

1925 beginnt eine überaus fruchtbare Kooperation zwischen der Standard Oil-Tochter Vacuum Oil mit dem sowjetischen Öldistributor Azneft. 800.000 Tonnen Rohöl werden aus der UdSSR nach Ägypten verschifft, um dort als Dumping-Ware den Shell-Konzern in Bedrängnis zu bringen. Esso-Propagandist Ivy Lee sorgt für positive Berichte über die UdSSR in den Zeitungen der USA. Im großen Stil modernisiert Esso die sowjetische Öl-Infrastruktur. Esso-Hausbank Chase finanziert eine moderne Bahn von Grosny an die Grenze der Sowjetunion.

Und Sinclair? Seine dilettantische Gschaftlhuberei mit der Harding-Regierung bringt ihm zehn Jahre Prozeßhanselei ein. Sinclair Oil bleibt ein Imperium, aber Esso und Shell haben den Außenseiter nicht länger zu fürchten.

 

Daß ich nicht vergesse ihnen zu erzählen: den Regenten Harding begleitet ein Teil seines Gefolges auf der Fahrt über den Acheron. Seine Frau stirbt 1924. Hardings Leibarzt Sawyer stirbt wenige Monate nach seinem prominenten Patienten. Ebenfalls kurz nach Harding sterben sein persönlicher Berater Colonel Felder; John King, Intimus des Harding-Förderers Daugherty, sowie Daughertys Mitarbeiter Hateley.